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14.08.2023

Beim Fachkräftemangel spitzt sich die Lage immer mehr zu

Um den Betrieb von ärztlichen und psychotherapeutischen Praxen auch in Zukunft gewährleisten zu können, sind genügend Medizinische Fachangestellte (MFA) nötig. Dies wird angesichts des Fachkräftemangels immer herausfordernder - und ist angesichts der chronischen Unterfinanzierung der ambulanten Versorgung für die Praxisinhaber kaum noch zu finanzieren.

„Der Personalmangel hat sich in den vergangenen Jahren zu einem großen Problem in den Praxen entwickelt. Immer mehr medizinische Fachangestellte (MFA) wandern in andere Bereiche des Gesundheitswesens wie Kliniken, Krankenkassen und Behörden ab, wo höhere Gehälter gezahlt werden, oder wechseln ganz den Beruf. Viele freie Stellen in den Praxen bleiben unbesetzt. Die Tätigkeiten der fehlenden MFA müssen durch fachfremdes Personal oder die Ärzt:innen selbst übernommen werden“, sagt John Afful, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg. Ein weiterer Aspekt: Praxisteams erhalten oft gerade von politischer Seite nicht die ihnen gebührende Wertschätzung – obwohl sich das Berufsbild in den vergangenen Jahren enorm gewandelt hat. 

Caroline Roos, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der KV Hamburg, ergänzt: „Das Aufgabenspektrum sowie die Verantwortung der MFAs haben in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Hinzu kommt eine starke Belastung der Praxisteams durch Bürokratie und unausgereifte digitale Anwendungen. Die Politik muss endlich eine anständige Finanzierungsgrundlage für die Praxen schaffen, damit das Personal auch adäquat bezahlt und in den Praxen gehalten werden kann. Ansonsten sind Leistungskürzungen und reduzierte Öffnungszeiten kaum zu vermeiden.“ 

„Doch nicht nur der MFA-Mangel bereitet uns Sorgen. Leider sinkt auch das Interesse an der Niederlassung. Mittlerweile bleibt selbst in Hamburg die ein oder andere Praxis ohne Nachfolge“, sagt Afful. Der schon heute herrschende Ärztemangel werde sich weiter verschärfen. "Ein Drittel der Vertragsärzt:innen ist 60 Jahre oder älter und wird in absehbarer Zeit in den Ruhestand gehen; viele jüngere Ärztinnen und Ärzte möchten aber nur noch angestellt und in Teilzeit arbeiten. Aufgrund des demographischen Wandels wird der Bedarf an ärztlichen Leistungen aber weiter zunehmen – die Folge ist ein starkes Ungleichgewicht von Angebot und Nachfrage." Die desaströse Sparpolitik im Gesundheitswesen trage in hohem Maße zu dieser Entwicklung bei, da der Nachwuchs das Vertrauen in die Politik verliert und aufgrund volatiler Bedingungen das unternehmerische Risiko scheut. 

„Wenn sich nicht schnellstens etwas an der jetzigen Entwicklung ändert, bricht die ambulante Versorgung zusammen und wir werden unseren Sicherstellungsauftrag nicht mehr erfüllen können. Die Politik darf die Augen nicht länger davor verschließen, dass die Rahmenbedingungen in der ambulanten Versorgung dringend verbessert werden müssen, um die vorhandenen Strukturen zu festigen und mindestens den Status quo aufrechtzuerhalten“, sagt Roos. 
 

„PraxenKollaps – Praxis weg, Gesundheit weg!“ – Bundesweite Aktion der Kassenärztlichen Vereinigungen 
Die KV Hamburg hat diese Pressemitteilung im Rahmen der bundesweiten Aktion aller Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) unter dem Titel „PraxenKollaps – Praxis weg, Gesundheit weg!“ veröffentlicht. Seit dem 7. August veröffentlichen alle KVen gleichlautende Pressemitteilungen in ihren Bundesländern, um auf die akut gefährdete Situation der ambulanten Versorgung aufmerksam zu machen. Hintergrund sind die Finanzierungsverhandlungen auf Bundesebene, die am 9. August gestartet sind. Höhepunkt der Aktion wird am 18. August eine gemeinsame Krisensitzung der Vertreterversammlungen aller Kassenärztlichen Vereinigungen gemeinsam mit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) in Berlin sein. Es werden ärztliche und psychotherapeutische Vertreterinnen und Vertreter aus ganz Deutschland erwartet. Mehr Informationen dazu finden Sie auf der Website der Kassenärztlichen Bundesvereinigung.

Logo der  bundesweiten Aktion