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12.04.2022

Politik muss den Ausverkauf der ambulanten Versorgung stoppen!

Immer mehr Praxen werden von profitorientierten Unternehmen und Investoren übernommen. Die KV Hamburg fordert die Politik auf, endlich wirksame Maßnahmen zu ergreifen, um diese Entwicklung zu stoppen. „Wir müssen sicherstellen, dass Praxen und Medizinische Versorgungszentren (MVZ) dem ärztlichen und psychotherapeutischen Berufsethos verpflichtet bleiben“, sagt der Vorsitzende der KV Hamburg, John Afful. „Es ist nicht hinnehmbar, dass die Gelder des solidarischen Gesundheitssystems in die Taschen von Finanzinvestoren abfließen.“

Eine von der KV Bayerns in Auftrag gegebene Studie des IGES Instituts hat jüngst gezeigt, dass die abgerechneten Honorarvolumina in investorengetragenen MVZ deutlich über denen anderer MVZ liegen. Außerdem nehme die Zahl der investorengetragenen MVZ weiter dynamisch zu. Dazu heißt es im IGES-Gutachten wörtlich: "Das vom Gesetzgeber angestrebte Ziel, den Zugang von Finanzinvestoren in die ambulante vertragsärztliche Versorgung wirksam zu begrenzen, wird klar verfehlt." Dies hat auch negative Auswirkungen auf die Versorgung der Patientinnen und Patienten, da in investorengetriebenen MVZ vor allem die Leistungen angeboten werden, die starken Umsatz bringen.

Die KV Hamburg fordert, dass Praxen und MVZ in der Hand von Vertragsärztinnen und -ärzten und Vertragspsychotherapeutinnen und -psychotherapeuten bleiben – oder anderweitig dem Gemeinwohl verpflichtet werden, beispielsweise als gemeinnützige Einrichtungen. "Praxen und MVZ, die bereits von Investoren geführt werden, sollten dazu gezwungen werden, ihre Besitzverhältnisse transparent zu machen", sagt Caroline Roos, stellvertretende Vorsitzende der KV Hamburg. „Wir brauchen ein verpflichtendes Transparenzregister. Außerdem sollte auf dem Praxisschild ausgewiesen sein, wem eine Versorgungseinheit gehört. Sowohl die Patientinnen und Patienten als auch die überweisenden Ärztinnen und Ärzte haben ein Recht darauf zu erfahren, mit welcher Art von Praxis oder Versorgungszentrum sie es zu tun haben.“