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Verordnung

Kein anderes Thema wird so kontrovers diskutiert, steht so hartnäckig im Fokus von Politik und Medien wie die Kosten für Arznei-, Heil- und Hilfsmittel. Ein gigantisches Ausgabenvolumen und ein nahezu undurchdringliches Dickicht an Richtlinien, Gesetzen und Vorgaben setzen den Arzt zunehmend unter Druck.

Auf diesen Seiten finden Sie aktuelle Informationen, nützliche Tipps sowie alle wichtigen Regelungen, die Sie im Praxisalltag bei der Entscheidung zur Verordnung von Medikamenten, Hilfsmitteln und therapeutischen Maßnahmen unterstützen.

 

Information


18.06.2020

Cannabis – Begleiterhebung: Bfarm veröffentlicht Zwischenauswertung (Stand 1.2.2019, 4153 Datensätze)

Die Auswertung ergab, dass Schmerz die mit Abstand am häufigsten genannte Symptomatik ist, bei der Cannabis eingesetzt wird (69%). Weiter wurden Spastik, Anorexie/Wasting, Übelkeit/Erbrechen, Depressionen, ADHS, Appetitmangel/Inappetenz, entzündliche Darmerkrankungen, Tic-Störungen/ Tourette-Syndrom und Epilepsie genannt. Letzteres bei ca. 1% der Fälle.


In der Gruppe der Schmerzpatienten sind Männer und Frauen insgesamt gleich häufig vertreten. Ein Viertel der Patienten ist zwischen 50 und 60 Jahren alt und macht so die anteilig größte Gruppe aus.

Am häufigsten (50,6%) werden Cannabisverordnungen von Fachärzten für Anästhesiologie getätigt, was bei dem Haupteinsatzgebiet des Schmerzes nicht weiter auffällig ist. Aber auch Allgemeinmediziner beteiligen sich an der Verordnung von Cannabis mit 19,1%.

 

Bei Schmerzpatienten wurde am häufigsten Dronabinol (als Rezeptur oder Marinol®) rezeptiert. Die häufigsten Nebenwirkungen, die von den Schmerzpatienten mitgeteilt wurden, waren Müdigkeit, Schwindel, Übelkeit, Schläfrigkeit, Aufmerksamkeitsstörungen, Mundtrockenheit, Appetitsteigerung, Gedächtnisstörungen und Gleichgewichtsstörungen. Eine nicht ausreichende Wirksamkeit (44,8% der Schmerzpatienten) und die o.g. Nebenwirkungen (31,2%) waren die häufigsten Gründe für einen Therapieabbruch (1). Weitere Auswertungen folgen, wenn höhere Fallzahlen vorliegen.

 

Hintergründe zur Verordnung von Cannabis

 

(1) www.bfarm.de

 


10.06.2020

Somatropin-Biosimilars: Bitte vorrangig verordnen

Die Kassenärztliche Vereinigung und die Krankenkassen in Hamburg haben die Hamburger Kinderärzte mit einem gemeinsamen Schreiben über die Wirtschaftlichkeit der aktuell auf dem Markt verfügbaren Somatropin Präparate informiert. Da das Schreiben aufgrund der Corona-Pandemie möglicherweise etwas untergegangen ist, hier nochmal zur Erinnerung.

 

Hinweise zur wirtschaftlichen Verordnung: Somatropin-Biosimilars


28.04.2020

Erleichterte Abgabe von Arzneimitteln in der Apotheke während der Pandemie

Apotheken dürfen jetzt auch vorrätige wirkstoffgleiche Arzneimittel abgeben, wenn die gemäß den Vorgaben abzugebenden Arzneimittel (z.B. Rabattarzneimittel) nicht verfügbar sind. Nach (telefonischer) Rücksprache mit dem Arzt kann auch ein pharmakologisch vergleichbarer Wirkstoff (aut simile) abgegeben werden. Die notwendige Dokumentation wird in der Apotheke auf dem Rezept vermerkt – ein neues Rezept muss in diesen Fällen nicht ausgestellt werden (dies gilt auch bei gesetztem aut idem Kreuz).

 

Ohne Rücksprache darf künftig bei Lieferproblemen sowohl bei der Packungsgröße (Abweichung von den verordneten Normgrößen N1, N2 oder N3 möglich) als auch bei der Packungsanzahl (z.B. 2x 50 statt 100) abgewichen werden. Ist die abzugebende Packungsgröße nicht lieferbar, sind auch Teilmengen aus größeren Packungen erlaubt. Auch von der verordneten Wirkstärke (z.B. 2 x 2,5mg statt 5mg) darf abgewichen werden. (Die verordnete Gesamtwirkstoffmenge darf durch diese Änderungen nicht überschritten werden).

 

BeiSubstitutionsmitteln dürfen jetzt Teilmengen abgegeben werden. Die verordnete Packungsgröße, Anzahl und Wirkstärke darf für diese Arzneimittel nicht verändert werden.

 

Geänderte Vorgabe zur Verwendung von BTM Rezepten

BTM Rezepte dürfen jetzt vorübergehend auch außerhalb von Vertretungsfällen – z.B. in einer Praxisgemeinschaft – übertragen und von anderen Ärzten verwendet werden.

 

Ziel dieser Änderungen ist eine Sicherstellung der Arzneimittelversorgung der Bevölkerung. Unnötige Kontakte mit Praxen und Apotheken sollen dabei vermieden werden. Die Änderungen treten wieder außer Kraft, wenn die Feststellung der epidemischen Lage von nationaler Tragweite aufgehoben wird, ansonsten spätestens mit Ablauf des 31. März 2021.

 

Bei einer anderen Abgabe von Arzneimitteln sind gemäß der Verordnung Retaxationen gegenüber den Apotheken ausgeschlossen worden. Regelungen zu Wirtschaftlichkeitsprüfungen wurden hingegen – trotz Intervention der KBV – nicht aufgenommen.

 

Weitere Regelungen der SARS-CoV-2-Arzneimittelversorgungsverordnung betreffen die Verordnung von Substitutionsmitteln, die Verordnung im Rahmen der Entlassmedikation und den Botendienst der Apotheken.

 

20.03.2020

Ärzte und Apotheker in Hamburg aktivieren Notfallverfahren für Rezepte

Patienten, die aktuell nur verschreibungspflichtige Arzneimittel benötigen, werden gebeten, die dafür erforderlichen Rezepte - soweit möglich - telefonisch bei Ihrer Arztpraxis zu bestellen und von einem Besuch in der Arztpraxis abzusehen.
Ziel dieser Maßnahme ist es, zu einer Verminderung von nicht unbedingt notwendigen Kontakten insbesondere zu gefährdeten Berufsgruppen - und dazu gehören eben auch Ärzte und Apotheker - beizutragen. Die Arztpraxen faxen die Rezepte dann an die vom Patienten benannte (Stamm-)Apotheke).
Die Apotheke wird sich von der Echtheit der Verschreibung durch geeignete Maßnahmen überzeugen und die Medikamente an die Patienten ausgeben. Sofern die Apotheke einen Botendienst anbietet, kann dieser im dringenden Versorgungsfall oder bei Quarantäne genutzt werden, um die Patienten zu versorgen. Notwendige Beratungen werden auf telefonischem Wege durchgeführt. Voraussetzung dafür ist, dass der Patient mit seiner Apotheke Kontakt aufnimmt und das weitere Vorgehen abklärt.

CAVE: Bei BTM - oder T- Rezepten bedarf es vorab der individuellen Absprache zwischen Praxis und Apotheke!

 


28.02.2020

Hamsterkäufe bei Arzneimitteln, Mundschutz und Desinfektionsmitteln

Aus aktuellem Anlass möchten wir Sie auf folgendes Problem hinweisen. Im Moment bitten Patienten ihren Arzt vermehrt um die Verordnung größerer Mengen ihrer Arzneimittel in der verständlichen Hoffnung, die Folgen der evtl. im Zuge der Coronainfektionen befürchteten Lieferschwierigkeiten für sich selbst abzumildern. Hintergrund ist die Sorge, dass die umgreifende Coronavirusinfektion noch weitere Probleme bei der Lieferung mit Arzneimittel verursachen könnte. Sei es durch mangelnde Herstellung (Produktionsstandort China) oder aufgrund der dann gehäuften Erkrankungen. Dieses nachvollziehbare Verhalten verschärft aber die Probleme, die aufgrund der unvermeidbaren Lieferprobleme sowieso schon entstehen.

 

Wir appellieren deshalb an ihr Verantwortungsbewusstsein und empfehlen ihnen dringend, außer in begründeten Ausnahmefällen, diesen Wünschen nicht nachzukommen. Diese Problematik lässt sich auch nicht durch die Verordnung auf einem Privatrezept lösen.

 

In Absprache mit dem Hamburger Apothekerverein, bitten wir Sie von Vorratsverordnungen abzusehen, um die Situation nicht weiter zu verschärfen. Auch sollten Sie Ihre Patienten darüber aufklären, dass der Kauf von beispielsweise Atemschutzmasken und Desinfektionsmitteln für Privathaushalte in der aktuellen Situation – bis auf besondere Fälle -  wenig nützlich ist. So kann der Mundschutz nur bei bereits erkrankten Patienten helfen, die Übertragung auf andere zu verhindern.

 

Die Hamsterkäufe von Mundschutz, Atemmasken und Desinfektionsmitteln führen dazu, dass diese dort knapp werden, wo sie dringend gebraucht werden: in Kliniken, Arztpraxen und auch in Apotheken, die für die Zytostatika Versorgung und parenterale Ernährung zuständig sind.

 


24.02.2020

Rückruf von Emerade®-Pen: Vorgehen bei Ersatzverordnung

Aktuell informiert die Kassenärztliche Bundesvereinigung über das Vorgehen, wenn ein Patient aufgrund des Rückrufes des Emerade®-Pen („Rote Hand-Brief" vom 20.02.2020) eine sogenannte „Ersatzverordnung“ benötigt. Hintergrund ist eine Regelung, die auf das Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung (GSAV) vom August 2019 zurückgeht. Danach sind Ersatzverordnungen auf Grund eines Arzneimittelrückrufs oder einer von der zuständigen Behörde bekannt gemachten Einschränkung der Verwendbarkeit im Rahmen einer möglichen Wirtschaftlichkeitsprüfung nach § 106b SGB V als Praxisbesonderheit zu berücksichtigen und für den Patienten ist diese erneute Verordnung zuzahlungsfrei. Sollte er in diesem Fall die Zuzahlung bereits geleistet haben, ist diese dem Versicherten auf Antrag von der Krankenkasse zu erstatten (§ 31 Abs. 3 SGB V). Die Krankenkassen haben für diese Ersatzverordnungen einen Erstattungsanspruch gegenüber dem pharmazeutischen Unternehmer (§ 131a SGB V).

 

Die dafür notwendigen Anpassungen im Bundesmantelvertrag -Ärzte zur erneuten Verordnung eines mangelfreien Arzneimittels sowie zur Kennzeichnung der entsprechenden Ersatzverordnungen befinden sich derzeit noch in der Abstimmung mit dem GKV-Spitzenverband. Aufgrund des oben genannten Rückrufs hat sich die KBV mit dem GKV-Spitzenverband nun kurzfristig auf eine Übergangsregelung verständigt: Auf der Ersatzverordnung darf nur das Arzneimittel verordnet werden, das das zurückgerufene ersetzt. Über der Verordnungszeile ist vom Arzt „Ersatzverordnung wegen Rückruf Emerade®“ aufzutragen

 

Rote Hand Brief vom 20.02.2020

 


28.01.2020

Das Ausstellen von Wiederholungsrezepten ist noch nicht möglich

Laut Gesetz können Vertragsärzte ab 1. März 2020 für Versicherte, die eine kontinuierliche  Arzneimittelversorgung mit einem bestimmten Arzneimittel benötigen, Wiederholungsverordnungen ausstellen. Nach der Erstabgabe soll eine bis zu dreimalige Wiederholungsabgabe erlaubt sein. Das Wiederholungsrezept ist 1 Jahr gültig und darf in diesem Zeitraum beliefert und abgerechnet werden.

 

Ob ein solches Rezept sinnvoll ist oder nicht, entscheidet der Arzt im Einzelfall. Ein vertretbarer Fall wäre z.B. wenn der Patientenkontakt ausschließlich dem Ausstellen eines neuen Rezeptes dient. Vorsicht ist geboten bei Arzneimitteln, die einer regelmäßigen Kontolluntersuchung bedürfen. Hier darf das Dauerrezept nicht dazu führen, dass nötige Therapieanpassungen verzögert werden.

 

Die Wiederholungsverordnungen müssen besonders gekennzeichnet werden. Wie die Umsetzung in der Praxis aussehen soll, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht geklärt. Viele offene Punkte sind zu bedenken und die Verhandlungen gestalten sich schwierig. Sobald es weitere Informationen zur Umsetzung gibt, werden wir hier informieren.

 


 

23.01.2020

Wirkstoffvereinbarung für 2020 - Zielquoten bei den Biosimilarzielen wurden erhöht, ein Biosimilarziel ist hinzugekommen, Rabattarzneimittel zählen bei den DOAK’s (Ziel Nr. 25.2.) nicht mehr positiv

Im Mittelpunkt der Anpassung der Wirkstoffvereinbarung stand für dieses Jahr eine Erhöhung der Biosimilaranteile in den jeweiligen Zielen (z.B. Epo’s, Gn-RH- Analoga, TNF alpha Blocker). Die Forderung der Kassen nach Anhebung der Zielquoten in diesem Bereich konnte auf ein vernünftiges Maß begrenzt werden. Neu hinzugekommen ist ein Biosimilarziel für die monoklonalen Antikörper Rituximab und Trastuzumab. 

 

Biosimilarziele der Wirkstoffvereinbarung 2020

Ziel

Hamburgweite Zielquote 2020

Leitsubstanz/Empfehlung vorrangige Verordnung von Biosimilars

Nr. 24: Andere Antianämika* (Epos’s)

65,0%

wie bisher

Nr. 26: Gn-RH-Analoga

57,5%

wie bisher

Nr. 27 G-CSF

75,0%

wie bisher

Nr. 29: TNF alpha Blocker*

50,0%

wie bisher

NEU: Nr. 31: Monoklonale Antikörper*

Trastuzumab (z.B. Herceptin®)

Rituximab (z.B. Mabthera®)

65,0%

Trastuzumab: Herzuma®, Kanjinti®, Ontruzant®, Trazimera®, Ogivri®

Rituximab:   Truxima®, Rixathon®

 

* Rabattierte Originalpräparate dienen nicht der Zielerreichung!

 

Sonstige Anpassungen der Vereinbarung

  • Die Regelung, dass Generika, deren Preise über dem Festbetrag liegen, als Original zählen, wurde gestrichen, da in einigen Fällen das Fehlen günstigerer Alternativen für Probleme sorgte.
  • Im Ziel der DOAK’s (25.2.) zählen Rabattverträge nicht mehr positiv. Trotz Rabattverträgen mit einzelnen Krankenkassen werden die Verordnungen von Xarelto® oder Pradaxa® nicht mehr als wirtschaftlich im Sinne der Wirkstoffvereinbarung gewertet. Da diese Änderung deutlichen Einfluss auf die Zielerreichung hat, konnten wir eine Absenkung des Zielwertes von derzeit 70% auf 56% vereinbaren. Diese Änderung tritt im Gegensatz zu den anderen Änderungen erst am 01.April 2020 in Kraft.
  • Der Migräneantikörper Erenumab (Aimoviq®) ist seit dem 15. Dezember 2019 ab dem ersten Behandlungsfall bundesweite Praxisbesonderheit. Nach den Regeln der Vereinbarung wird das Präparat deshalb seit dem 1. Januar 2020 nicht mehr im Ziel Nr. 1 Analgetika erfasst.

 


 



 



 
 

 


 




 


 


 






 

 

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