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Themen der aktuellen Ausgabe (Quartal 1 / 2020):

Fachgruppenübergreifend

Hausärzte

Kinderärzte

Augenärzte

Fachinternisten (fachärztlich tätig)

Psychotherapeuten

TSVG


Fachgruppenübergreifend

Früherkennung von Zervixkarzinomen

Am 01.01.2020 startet das komplett neu strukturierte Programm zur Früherkennung von Gebärmutterhals-krebs. In diesem Zusammenhang wurde der Abschnitt 1.7.3 im Einheitlichen Bewertungs-maßstab (EBM) neu angeordnet. Die Leistungen zur Früherkennung von Brustkrebs durch Mammographie-Screening sind jetzt im Unterabschnitt 1.7.3.1 EBM zu finden. Im Unterabschnitt 1.7.3.2 EBM werden ab dem 01.01.2020 die ärztlichen, zytologischen und laborärztlichen Leistungen für die Früherkennung von Krebserkrankungen bei Frauen (Abschnitt B der KFE-RL und der oKFE-RL) abgebildet.


Neu bei dem Zervixkarzinom-Programm ist unter anderem, dass Frauen ab 35 alle drei Jahre Anspruch auf ein kombiniertes Screening, eine so genannte Ko-Testung, haben. Diese besteht aus einer zytologischen Untersuchung und einem HPV-Test. Frauen im Alter von 20 bis 34 Jahren haben zudem wie bisher Anspruch auf eine jährliche zytologische Untersuchung.


Im Rahmen des sogenannten Primärscreenings können Frauenärzte für die gynäkologische Untersuchung und Abstrichentnahme die Gebührenordnungsposition (GOP) 01761 in Ansatz bringen. Sie ist zunächst mit 19,66 € (179 Punkte) bewertet. Sobald die Dokumentation zum Programm mit gesondertem Beschluss in Kraft tritt und aufgenommen wird, steigt die Bewertung auf 23,72 Euro (216 Punkte).


Auch für die Untersuchung der Abstriche gibt es zwei neue Leistungen im EBM. Die GOP 01762 dient der Abrechnung der zytologischen Untersuchung und ist mit 8,89 € (81 Punkte) bewertet. Sie ersetzt die GOP 01733 EBM, welche ab dem 01.01.2020 nicht länger berechnungsfähig ist.


Für den HPV-Test wird die GOP 01763 in den EBM aufgenommen. Sie ist mit 18,78 € (171 Punkte) bewertet und enthält den Nachweis der High-Risk-HPV-Typen sowie bei positivem Befund die Genotypisierung auf die besonders cancerogenen Typen 16 und 18.


Zur Abklärung auffälliger Befunde aus dem Primär-screening wird für die Abklärungsdiagnostik mit Abstrichentnahme die GOP 01764 (67 Punkte / 7,36 Euro) in den EBM aufgenommen. Die Entnahmematerialien werden der gynäkologischen Praxis vom zytologischen Labor zur Verfügung gestellt.
Die Abklärungskolposkopie nach der GOP 01765 dürfen nur Gynäkologen mit entsprechender Qualifikation und einer Abrechnungsgenehmigung durchführen. Die Untersuchung wird mit 72,26 Euro (658 Punkte) vergütet. Auch bei diesen beiden Leistungen findet eine Punktwertanpassung statt, sobald die Dokumentation zum Programm startet.


Im Zusammenhang mit der Abklärungsdiagnostik werden für die zytologische Untersuchung die GOP 01766 (288 Punkte / 31,63 Euro), für den HPV-Test die GOP 01767 (171 Punkte / 18,78 Euro) und für die histologische Untersuchung die GOP 01768 (248 Punkte / 27,23 Euro) in den EBM aufgenommen.
Für gynäkologische Untersuchungen ohne Abstrich, die Ärzte zwischen dem dreijährigen Untersuchungsintervall einmal jährlich (nach der Krebsfrüherkennungs-Richtlinie und außerhalb des Programms) durchführen können, wird die GOP 01760 (17,46 € / 159 Punkte) in den Abschnitt 1.7.3.2 EBM aufgenommen.Die GOP 01730 und 01733 EBM sind ab dem 01.01.2020 nicht länger berechnungsfähig. Sämtliche Leistungen zur Früherkennung eines Zervixkarzinoms und zur Abklärung auffälliger Befunde werden extrabudgetär vergütet.


Durch die Aufnahme der neuen Leistungen (01763 und 01767 EBM) in die GOP 01700 für Fachärzte für Laboratoriumsmedizin, Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Transfusionsmedizin und ermächtigte Fachwissenschaftler der Medizin und in die GOP 01701 für alle anderen Vertragsärzte wird die Berechnungsfähigkeit der Grundpauschalen ermöglicht.


Da die GOP 19311 sowohl die Zervix- als auch die Urinzytologie beinhaltete, wird sie aufgrund des neu strukturierten Programms zum 01.01.2020 gestrichen und durch die GOP 19318 und 19319 EBM ersetzt, welche die zytologischen Untersuchungen getrennt abbilden.

 

Beschluss des Bewertungsausschusses in seiner 455. Sitzung vom 11.12.2019

GOP

Leistungsinhalt

Punkte

Hinweise

Klinische Untersuchung ohne Abstrich - Abschnitt 1.7.3.2 EBM


01760 Klinische Untersuchung ohne Abstrich 159Pkt./
17,46€

- Anspruch ab 20 Jahren

- Untersuchung wird zwischen den dreijährigen Untersuchungsintervallen bei Frauen ab 35 Jahren einmal jährlich durchgeführt

Primärscreening - Abschnitt 1.7.3.2.1 EBM


01761 Klinische Untersuchung zur Früherkennung des Zervix-karzinoms gemäß Teil III C §6 der OKFE-RL ab 30 Jahren erfolgt zusätzlich eine Brustuntersuchung 179Pkt./
19,66€
Anspruch zwischen 20 – 34 Jahren jährlich
- Anspruch ab 35 Jahren alle drei Jahre
01762 Ärztliche zytologische Unter-suchung im Primärscreening  gemäß Teil III C §6 der OKFE-RL 81Pkt./
8,89€
- Anspruch zwischen 20 – 34 Jahren jährlich
- Anspruch ab 35 Jahren alle drei Jahre in Kombination mit dem HPV-Test
- Für die Abrechnung wird die Genehmigung „Zervix-Zytologie“ benötigt
- Abrechnungsintervall: Immer im Zusammenhang mit der GOP 01761 EBM
01763 HPV-Test 171Pkt./
18,78€
- Anspruch ab 35 Jahren in Kombination mit der GOP 01762 (Ko-Testung)
- Für die Abrechnung wird die Genehmigung „Speziallabor“ benötigt
Abrechnungsintervall:
- Alle drei Jahre bei unauffälligem Befund
- Wiederholung nach einem Jahr bei auffälligem Befund
- Bei Auffälligkeiten erfolgt Abklärungsdiagnostik
Abklärungsdiagnostik - Abschnitt 1.7.3.2.2 EBM
01764  Abklärungsdiagnostik gemäß Teil III C §7 der oKFE-RL mit Abstrichentnahme
Wird bei auffälligen Befunden abgerechnet
67Pkt./
7,36€
Für die Abrechnung wird keine Genehmigung benötigt

 01765

Abklärungskolposkopie gemäß Teil III §§7 und §8 der oKFE-RL zur Abklärung auffälliger Befunde

658Pkt./
72,26€

Nur für Gynäkologen mit Genehmigung für Abklärungskolposkopie (neu) abrechenbar

 01766

Zytologische Untersuchung gemäß Teil III C §7 oKFW-Rili
Kosten für Objektträger, Fi-xierlösung, Probengefäß, sowie Abstrichbesteck sind enthalten

288Pkt./
31,63€

Für die Abrechnung wird die Genehmigung „Zervix-Zytologie“ benötigt

 01767

HPV Test im Rahmen der Abklärungsdiagnostik gemäß Teil II C §7 der oKFE-Rili
Nur bestimmte Hochrisiko-HPV-Tests dürfen verwendet werden

171Pkt./
18,78€

Für die Abrechnung wird die Genehmigung „Spezialla-bor“ benötigt

 01768

Histologische Untersuchung im Rahmen der Abklärungs-diagnostik gemäß Teil III C §7 der oKFE-Richtlinie

248Pkt./
27,23€

- Je Material berechnungsfähig
- Für die Abrechnung wird keine Genehmigung benötigt



 

Neue Version des Musters 39

Im Rahmen der Neugestal-tung der Richtlinie für organisierte Krebsfrüherkennungs-Programme (oKFR-RL) wur-de auch das dazugehörige Muster 39 überarbeitet und löst zum 1. Januar 2020 die Version 01/2015 ab.
Inhaltlich wurde das Muster überarbeitet; in der neuen Version entfallen die Angaben zur rektalen Untersuchung und zum Blutdruck. Ergänzt wurde das Formular um Informationen zum Test auf Humane Papillomviren (HPV) und zur HPV-Impfung. Neben dem Testergebnis und den Informationen zum Virustyp sind auch Angaben zum verwendeten Test (Schwellenwert, Pharmazentralnummer) obligat. Diese Angaben sind Teil der Dokumentationsvorgaben.
Das Muster 39 steht sowohl in gedruckter Form sowie als digitale Version zur Verfügung.

 


                                                       

Liposuktion bei Lipödem ab 01.01.2020 Kassenleistung

Zum Quartal 1/2020 werden neue Leistungen für die Fett-absaugung bei einem Lipödem im Stadium III in den EBM aufgenommen. Voraussetzung für die Leistungserbringung ist, dass eine konservative Therapie nicht zu einer Linderung der Beschwerden geführt hat. Ärzte die eine Liposuktion beim Lipödem im Statium III durchführen wollen, benötigen eine Genehmigung zum ambulanten Operieren. Die Operation kann sowohl ambulant als auch belegärztlich durchgeführt werden.  In der nachfolgenden Tabelle sind die Leistungen im Einzelnen abgebildet.

 

Beschluss des Bewertungsausschusses in seiner 455. Sitzung vom 11. Dezember 2019

 

GOP

Beschreibung

Bewertung ambulante OP

Bewertung stationäre OP


Ambulante und belegärztliche Operationen an der Körperoberfläche

31096/36096

Liposuktion bei Lipö-dem im Stadium III

Eingriff der Kategorie AA6

6.037 Punkte/ 662,94 € 3.822 Punkte/ 419,71 €
31097/36097

Liposuktion bei Lipö-dem im Stadium III

Eingriff der Kategorie AA7

6.444 Punkte/ 707,63 € 4.118 Punkte/ 452,21 €
31098/36098

Zuschlag zur GOP 31096 bei Simultaneingriffen sowie zur GOP 31097

- Schnitt-Naht-Zeit je weitere vollende 15 Min.
- Nachweis der Schnitt-Naht-Zeit über das Anästhesieprotokoll oder den OP-Bericht

612 Punkte/ 67,21 € 377 Punkte/ 41,40 €

Ambulante und belegärztliche Lokalanästhesien durch den Operateur

31802/36802 - Tumeszenzlokalanästhesie durch den Operateur - Tumeszenzlokalanästhesie der Haut und des subkutanen Fettgewebes
- Überwachung und Dokumentation der Vitalpa-rameter
- Pulsoxymetrie
- EKG-Monitoring
- I.v.-Zugang
- Infusion(en)
- Verabreichung von Analgetika/Sedativa
2.592 Punkte/ 284,64 € 1.619 Punkte/ 177,79 €

Kostenpauschale bei Durchführung der Liposuktion bei Lipödem im Stadium III

40165 Entsprechend der bei den GOP 31096 und 31097 für die beim Eingriff eingesetzte(n) Absaugkanüle(n) 72,00 €

                                      

 

Biomarkerbasierter Test beim primären Mammakarzinom

Wie bereits im Newsletter vom 27. September 2019 angekündigt, kann ab dem Quartal 1/2020 ein spezifizierter Biomarker-Test zur Ermittlung des Rezidivrisikos bei Brustkrebs abgerechnet werden. Damit soll die Entscheidung für oder gegen eine adjuvante systemische Chemotherapie unterstützt werden.
Der Test kann ausschließlich bei Patientinnen mit einem primären Hormonrezeptor-positiven, HER2/neu-negativen, nodalnegativen und nicht metastasierten Mammakarzinom angewen-det werden, sofern die Emp-fehlung für oder gegen eine adjuvante systemische Chemotherapie beim primären Mammakarzinom aufgrund klinischer und pathologischer Kriterien allein nicht eindeutig getroffen werden kann.


Die Vergütung wurde nun vom Bewertungsausschuss festgelegt. So kann für die Aufklärung der Patienten über den Test und die Erläuterung des Testergebnisses von Frauenärzten die GOP 08347 EBM und von Internisten die GOP 13507 EBM je 5 Minuten in Ansatz gebracht werden. Die Leistungen sind mit jeweils 7,14 € (65 Punkte) bewertet und können höchstens fünf mal im Krankheitsfall (KHF) abgerechnet werden (Ent-spricht 325 Punkten im KHF).


Die Aufklärung zu diesem Test dürfen nur Fachärzte für

  • Gynäkologie mit dem Schwerpunkte gynäkologische Onkologie
  • Innere Medizin, Hämatologie und Onkologie
  • Innere Medizin oder Gy-näkologie und Geburtshilfe mit dem Nachweis der Zusatzweiterbildung „Me-dikamentöse Tumortherapie“

vornehmen.


Für die Aufklärung der Patientinnen ist das vom G-BA veröffentlichte Merkblatt zum „Biomarkerbasierten Test beim frühen Brustkrebs“ zu verwenden. Pathologen bringen für die Aufarbeitung der Gewebeprobe und die Weiterleitung zur Genexpressionsanalyse die GOP 19501 (552 Punkte / 60,62 €) in Ansatz.


Der erforderliche Test „Oncotype DX Breast Recurrence Score®“ kann mittels der GOP 19502 EBM abgerechnet werden. Er ist mit 3.296,50 € bewertet.

 

Beschluss des Bewertungsausschusses in seiner 455. Sitzung vom 11. Dezember 2019

                                                       

Neue GOP 11601 bei Lynparza®-Indikation

Zum 1. Januar 2020 wurde die neue GOP 11601 in den EBM aufgenommen. Sie dient der Indikationsstellung vor der Verordnung des Arzneimittels Olaparib (Lyn-parza ®), das als Monotherapie bei Patienten mit einer BRCA1 und BRCA2 Mutation (krankhafte Brustkrebsveränderung) eingesetzt wird.


Die GOP 11601 ist nur berechnungsfähig, wenn die Indikationskriterien für eine Untersuchung nach der GOP 11440 auf ein hereditäres Mamma- und Ovarialkarzinom nicht erfüllt sind oder wenn die Untersuchung auf eine bekannte konstitutionelle Mutation in den Genen BRCA1/2 nach der GOP 11518 diese Mutation nicht bestätigt. Ebenfalls ist die Angabe des zur Behandlung geplanten und/oder eigesetzten Arzneimittels obligat.


Bewertet ist die neue GOP mit 20.507 Punkten (2.251,94 €) und wird außerhalb der morbiditätsbedingten Gesamtvergütung bezahlt. Einmal im Krankheitsfall darf diese Leistung von Humangenetikern, Laborärzten, Vertragsärzten mit der Zusatzbezeichnung „medizinische Genetik“ sowie Vertragsärzten, die Auftragsleistungen des Kapitels 11 erbringen und hierfür eine Genehmigung besitzen, abgerechnet werden.

 

Beschluss des Bewertungsausschusses in seiner 455. Sitzung vom 11. Dezember 2019

                                    

Kodieren: Verwendung des Ersatzwertes „UUU“ entfällt

Seit dem 1. Januar 2020 ist die Verwendungsmöglichkeit des bisherigen Ersatzwertes „UUU“ als Kodierung aufgehoben und eine Neuregelung in den Bundesmantelvertrag-Ärzte (BMV-Ä) aufgenommen worden.


Die Kodierung „UUU“ wurde insbesondere zur Abrechnungsdokumentation von Fachgruppen genutzt, die in-vitro-diagnostische Auftragsleistungen abrechnen. Dabei ist kein Arzt-Patienten-Kontakt erforderlich und somit die Kenntnis oder Stellung einer Diagnose nur bedingt beziehungsweise nicht möglich.


Die Neuregelung ist in Paragraf § 57a BMV-Ä festgehalten und sieht für die zwei folgenden Konstellationen anstelle des jeweils spezifi-schen Diagnoseschlüssels nach ICD-10-GM regelhaft im Sinne eines Erstzwertes den ICD-10-Kode „Z01.7 Laboruntersuchung“ vor.


Konstellation 1
Für Arztfälle in einer Arztpraxis, in denen in-vitro-diagnostische Untersuchungen der Abschnitte 11.4, 19.3, 19.4, 32.2, 32.3 EBM oder entsprechende Untersuchungen im Abschnitt 1.7 oder 8.5 des EBM ohne unmittelbaren Arzt-Patienten-Kontakt durchgeführt werden, es sei denn, im EBM sind für die Abrechnung der GOP speziellere Regelungen getroffen.

Konstellation 2
Fallunabhängig für Fachärzte für Pathologie, Fachärzte für Neuropathologie, Fachärzte für Laboratoriumsmedizin sowie Fachärzte für Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie.

Änderungsvereinbarung des BMV-Ä zwischen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und dem Spit-zenverband Bund der Krankenkassen vom 29.10.2019

 

Anpassung der Onkologievereinbarung

Ab dem 01.01.2020 kann die Kostenpauschale für die orale Tumortherapie (GOP 86520) im selben Quartal nicht mehr neben der Palliativversorgung (GOP 86518) abgerechnet werden.


Dieser Ausschluss wurde festgelgt, weil die Berechnung der Kostenpauschale 86518 für die Palliativversorgung den Abschluss einer Tumortherapie voraussetzt. Zudem gilt dieser Ausschluss bereits für die Kostenpauschale 85616 (intravenöse / intraarterielle Tumorthera-pie).

 

Onkologie-Vereinbarung

 

Nachtrag: Förderung der Videosprechstunde

Im Nachgang zur Newslettterausgabe des Quartals 4/2019 erreichten uns weitere ausführliche Informationen zur Videosprechstunde. Aus diesem Grund möchten wir das Thema an dieser Stelle erneut aufgreifen und Ihnen alle wichtigen Informationen zur Verfügung stellen.


Seit dem 01.10.2019 ist die Videosprechstunde von fast allen Artzgruppen abrechenbar. Auch Psychotherapeuten können Ihre Patienten mittels Videosprechstunde behandeln. Hierbei gilt, dass im Vorwege einer psychotherapeutischen Fernbehandlung ein persönlicher Arzt-Patienten-Kontakt (APK) zur Eingangsdiagnostik, Indikationsstellung und Aufklärung stattgefunden haben muss.


Von der Videosprechstunde ausgenommen sind Laborärzte, Nuklearmediziner, Pathologen und Radiologen.
Neu ist zudem, dass eine Konsultation per Video auch dann erfolgen kann, wenn der Patient zuvor nicht in der Praxis behandelt wurde. Zur Abbildung des Aufwands der Datenerfassung wurde hierzu die GOP 01444 in den EBM aufgenommen. Sie ist mit 1,10 € (10 Punkte) bewertet und wird extrabudgetär vergütet. In diesem Zusammenhang wurde als Übergangslösung die Anlage 4b „Vereinbarung über die Authentifizierung von Versicherten bei der ausschließlichen Fernbehandlung“ in den BMV-Ärzte aufgenommen.


Ein neuer Patient kann authentifiziert werden, indem dieser seine elektronische Gesundheitskarte bei der Videotelefonie mithilfe der Kamera vorzeigt und das Bestehen des Versicherungsschutzes mündlich bestätigt. Diese Vorgehensweise ist nur dann notwendig, wenn der Patient weder im aktuellen noch im vorherigen Quartal in der Praxis vorstellig wurde. Andernfalls dürfen die im Praxisverwaltungssystem gespeicherten Versichertenstammdaten genutzt werden. Folgende Informationen sind zu erheben:

  • Name, Vorname und Geburtsdatum
  • PLZ des Wohnortes
  • Bezeichnung der Krankenkasse
  • Versichertenart (Mitglied, Familienversichert, Rentner)
  • Versichertennummer

Im Rahmen der Förderung der Videosprechstunde wurde auch die Vergütung neu geregelt. So wird die Videosprechstunde nicht wie bisher mittels der GOP 01439 EBM, sondern mittels der jeweiligen Versicherten-/ Grund- bzw. Konsiliarpauschale* abgerechnet. Die GOP 01439 ist entsprechend nicht länger berechnungsfähig.


Erfolgt die Behandlung ausschließlich per Videosprechstunde ohne persönlichen APK im jeweiligen Quartal wird durch die KV ein fach-gruppenspezifischer, prozentualer Abschlag auf die jeweilige VP/GP/KP vorgenommen:

  • 20 % Abschlag: Hausärzte, Kinderärzte, Neurologen/-chirurgen, Psychotherapie, Kinder- und Jungendpsychiatrie/-psychotherapie, Schmerztherapie, Strahlentherapie und Ermächtigte Ärzte
  • 25 % Abschlag: Fachin-ternisten, Frauenärzte, Chirurgen, MGK-Chirurgie, Humangenetik, Hautärzte, Orthopäden, Urologen, Physikalische und Rehabilitationsmedi-ziner
  • 30 % Abschlag: Anästhe-sisten, Augenärzte, HNO-Ärzte/Phoniater

Patienten, die innerhalb eines Quartals ausschließlich per Videosprechstunde behandelt werden, müssen in der Abrechnung mit der Pseudo-GOP 88220 gekennzeichnet werden. Die Anzahl dieser Behandlungsfälle ist auf 20 % aller Behandlungsfälle des Arztes/ Psychotherapeuten beschränkt.


Wie bisher wird je APK im Rahmen einer Videosprechstunde  oder Videofallkonferenz eine Technikpauschale (GOP 01450) zur Finanzierung der Kosten in Höhe von 4,39 € (40 Punkte) vergütet. Der Höchstwert je abrech-nenden Vertragsarzt beträgt hierbei 208,53 € (1.899 Punk-te) je Quartal.


Zudem wurde die GOP 01451 als Anschubförderung für die Videosprechstunde in den EBM aufgenommen. Sie wird mit 10,10 € (92 Punkten) je APK im Rahmen einer Videosprechstunde honoriert, sofern eine Praxis im Quartal mindestens 15 Videosprechstunden durchführt. Der Höchstwert dieser Leistung beträgt ca. 505,00 € je Praxis pro Quartal. Dies entspricht 50 Online-Visiten.


Zusätzlich zur Videosprechstunde können Ärzte und Psychotherapeuten bestimmte Leistungen für Gespräche abrechnen, die sie per Videosprechstunde anbieten. So sind bei Erfüllung der jeweiligen Voraussetzungen neben der Videosprechstunde ebenfalls die Zuschläge für die fachärztliche Grundversorgung, für die Wahrnehmeung des hausärztlichen Versorgungsauftrags (GOP 03040/04040), für die Unterstützung der hausärztlichen Versorgung durch qualifizierte nichtärztliche Praxisassistenten (GOP 03060/ 03061) und für die Behandlung durch konservativ tätige Augenärzte (GOP 06225) berechnungsfähig.


Videosprechstunden werden beim Chronikerzuschlag angerechnet. D. h., dass Haus- und Kinderärzte den Zuschlag (GOP 03220 bis 03222/ GOP 04220 bis 04222) auch dann erhalten, wenn von den drei erforderlichen APK ein oder zwei Kontakte per Video stattgefunden haben.


Auch mit Pflegekäften von Pflegebedürftigen, die in der Häuslichkeit oder in beschützenden Einrichtungen versorgt werden, durchgeführte Videofallkonferenzen werden seit dem 01.10.2019 vergütet. So kann ein Arzt, der die diagnostischen, therapeutischen, rehabilitativen und/ oder pflegerischen Maßnahmen eines Pflegebedürftigen koordiniert für eine Videofall-konferenz mit einer Pflegekraft die GOP 01442 EBM in Ansatz bringen. Diese ist mit 7,03 € (64 Punkte) bewertet und kann bis zu dreimal im Krankheitsfall abgerechnet werden. Voraussetzung hierbei ist, dass im aktuellen und/oder den vorangegangenen zwei Quartalen mindestens ein persönlicher APK in derselben Praxis stattgefunden hat.


Darüber hinaus können folgende weitere Fallkonferen-zen/ -besprechungen seit dem 01.10.2019 per Video erbracht werden:

  • GOP 30210: Hyperbare Sauerstofftherapie bei diabetischem Fußsyndrom
  • GOP 30706: Schmerztherapie
  • GOP 30948: MRSA-Fall und/ oder regionale Netzwerkkonferenz
  • GOP 37400: Versorgungs-planung für die letzte Lebensphase

Den Technikzuschlag nach der GOP 01450 EBM erhält nur der Arzt/ Psychothera-peut, der die Videofallkonfe-renz initiiert hat.


Im Zusammenhang mit der Förderung der Videosprechstunde wurde ebenfalls die Anlage 31b „Vereinbarung über die Anforderungen an die technischen Verfahren zur Videosprechstunde“ des BMV-Ä aktualisiert. So wer-den u. a. die Videodienstanbieter dazu verpflichtet, den Arztpraxen eine Bescheinigung über die erfüllten Nachweise zur Informationssicherheit, zum Datenschutz und zu den Inhalten gemäß § 5 Absatz 1 der Anlage 31b auszuhändigen.


Eine Liste der zertifizierten Videodienstanbieter steht Ihnen auf der Homepage der KBV zur Verfügung.


* Für Strahlentherapeuten aus-schließlich bei GOP 25214 EBM

 

Beschluss des Bewertungsaus-schusses in seiner 449. Sitzung (schriftliche Beschlussfassung)

 

Nachtrag: Beobachtung und Betreuung eines Patienten bei der Gabe von Velmanase alfa

Bereits zum 1. Oktober 2019 wurde eine neue Leistung zur Beobachtung und Betreuung eines Patienten bei der Gabe von Velmanase alfa (Lamze-de®) in den EBM aufgenommen. Die Enzymersatztherapie wird bei Patienten mit leichter bis mittelschwerer Alpha-Mannosidose (lysomale Speichererkrankung) eingesetzt.


Abgerechnet wird die neue Leistung mit der GOP 01514 EBM. Sie ist mit 502 Punkten (55,13€) bewertet und wird außerhalb der morbigitätsbedingten Gesamtvergütung bezahlt. Leistungserbringer können Pädiater, Internisten und Neurologen sein.


Zur Berechnungsfähigkeit der neuen GOP wird ebenfalls vorausgesetzt, dass diese für mehr als zwei Stunden erfolgt ist und eine Angabe zum Körpergewicht des Patienten gemacht wird. Bei einem Körpergewicht unter 50kg muss ebenfalls die Infosions- und Überwachungsdauer mit angegeben werden.

 

Beschluss des Bewertungsausschusses in seiner 454. Sitzung


Ausblick: Neuer EBM ab dem 01.04.2020

Nach mehrjährigen Verhandlungen haben sich die KBV und der GKV-Spitzenverband auf eine EBM-Reform zum 01.04.2020 geeinigt. Neben einigen strukturellen Änderungen stand vorallem die Neubewertung ärztlicher und psychotherapeutischer Leistungen im Fokus. In diesem Zuge wurden auch die Zeiten, die Ärzte im Schnitt für eine Behandlung oder Untersuchung benötigen und die ebenfalls in die Leistungsbewertung einfließen, überprüft und angepasst.


Wie im Beschluss des BA im Jahr 2012 festgelegt, muss die Reform unter Berücksichtigung der Ausgabenneutralität erfolgen. Das bedeutet, dass eine Höherbewertung von Leistungen zu Einsparungen bei anderen Leistungen führt. Zudem wurde im Terminser-vice- und Versorgungsgesetz zusätzlich gefordert, dass die Bewertungen technischer Leistungen überprüft werden und die sprechende Medizin gefördert wird. Dadurch kommt es zu Absenkungen der Leistungsbewertungen bei den technischen Fächern, während Gespräche zum Teil höher bewertet werden.


Bereits jetzt finden Sie viele wichtige Informationen rund um den neuen EBM auf der Homepage der KBV.