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05.08.2021

Nichtverschreibungspflichtige Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente – Verordnungsfähigkeit zulasten der gesetzlichen Krankenkassen

Häufig erreichen uns Fragen zur Verordnungsfähigkeit in diesem Bereich. Deshalb haben wir hier einen kurzen Überblick zu diesem Thema zusammengestellt.

Grundsätzlich gilt:

  • Nicht -  apothekenpflichtige Präparate sind nicht verordnungsfähig (auch nicht für Kinder!)
  • Apothekenpflichtige (ap), aber nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel sind für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren und für Erwachsene nicht verordnungsfähig. Wenn diese Arzneimittel aber vom Gemeinsamen Bundesausschuss bei der Behandlung schwerwiegender Erkrankungen als Therapiestandard anerkannt sind („OTC Liste“ - Anlage 1; Arzneimittelrichtlinie - www.g-ba.de - Richtlinien), können sie in diesen Fällen zulasten der Kassen verordnet werden.
  • Verschreibungspflichtige Arzneimittel können nur im Rahmen ihrer arzneimittelrechtlichen Zulassung zulasten der Krankenkassen verordnet werden. Einschränkungen oder Verordnungsausschlüsse durch Regelungen der Arzneimittelrichtlinie (Anlage III; AM-RL) sind zusätzlich zu berücksichtigen.  Zu den verschreibungspflichtigen Vitaminpräparaten gehören z.B. hochdosierte Vitamin D Präparate wie z.B. Dekristol 20000 Tropfen bzw. Weichkapseln oder Vigantol Öl 20000.
  • Das Wirtschaftlichkeitsgebot „notwendig, zweckmäßig und wirtschaftlich“ ist zu beachten.
     
Wirkstoffe bzw. WirkstoffkombinationVoraussetzungen für Verordnungsfähigkeit
Wasserlösliche Vitamine (B-Vitamine wie z.B. B6 und B 12 und Vitamin C)
  • Monopräparate können bei klinisch und labortechnisch nachgewiesenem Mangel, der nicht allein durch die Änderung der Ernährung ausgeglichen werden kann, verordnet werden
Benfotiamins.o.

Folsäure

 

Folsäure und Folinate auch bei Therapie mit Folsäureantagonisten sowie zur Behandlung des kolorektalen Karzinoms.

  • Monopräparate mit mindestens 5mg Folsäure je Tablette bei klinisch und labortechnisch nachgewiesenem Mangel, der durch eine entsprechende Ernährung allein nicht ausgeglichen werden kann

Wasserlösliche Vitamine auch  in Kombinationen

 

  • Nur für Dialysepatienten verordnungsfähig

Vitamin B6 (Pyridoxin)

 

 

Neu ab 15.4.2021

Verordnungsfähig

  • als wasserlösliches Vitamin bei Mangel s.o.
  • zur Behandlung von angeborenen pyridoxinabhängigen Störungen mit schwerwiegender Symptomatik. Nach erfolgreichem Therapieversuch ist auch eine längerfristige Verordnung zulässig.

 

 

Vitamin D als Monopräparat (wenn ausreichend Calcium über die Nahrung aufgenommen wird)

 

Leitlinie*: Bei einem hohen Sturz-und/oder Frakturrisiko und einer geringen Sonnenlichtexposition 800-1000IE Vitamin D3 täglich oral“

 

  • nur zur Behandlung der manifesten Osteoporose,
  • nur zeitgleich zur Steroidtherapie bei Erkrankungen, die voraussichtlich einer mindestens sechsmonatigen Steroidtherapie in einer Dosis von wenigstens 7,5 mg Prednisolonäquivalent bedürfen,
  • bei Bisphosphonat-Behandlung gemäß Angabe in der jeweiligen Fachinformation bei zwingender Notwendigkeit.

Calcium/Vitamin D als freie oder fixe Kombination

 

(mind. 300mg Calcium-Ion/Dosiereinheit)

 

Leitlinie*: 1000 mg Calcium Gesamtzufuhr täglich, Calcium-Supplemente nur, wenn Nahrungscalciumzufuhr zu gering“

  • nur zur Behandlung der manifesten Osteoporose,
  • nur zeitgleich zur Steroidtherapie bei Erkrankungen, die voraussichtlich einer mindestens sechsmonatigen Steroidtherapie in einer Dosis von wenigstens 7,5 mg Prednisolonäquivalent bedürfen,
  • bei Bisphosphonat-Behandlung gemäß Angabe in der jeweiligen Fachinformation bei zwingender Notwendigkeit
Vitamin K  (Monopräparat)
  • nur bei nachgewiesenem, schwerwiegendem Vitaminmangel, der durch eine entsprechende Ernährung nicht behoben werden kann
Jodid
  • zur Behandlung von Schilddrüsenerkrankungen.
Kaliumverbindungen (Monopräparate)
  • zur Behandlung der Hypokaliaemie.
Magnesiumverbindungen, oral
  • bei angeborenen Magnesiumverlusterkrankungen.
Magnesiumverbindungen, parenteral
  • zur Behandlung bei nachgewiesenem Magnesiummangel und zur Behandlung bei erhöhtem Eklampsierisiko.

Eisen II Verbindungen

 

Eisen i. v. (verschreibungspflichtig) nur bei ausgeprägten Eisenmangelzuständen, wenn eine orale Eisensubstitution nicht möglich ist

  • zur Behandlung von klinisch und labortechnisch gesicherter Eisenmangelanaemie. - Hb, Ferritin, MCV, MCH
Zinkverbindungen (Monopräparate)
  • nur zur Behandlung der enteropathischen Akrodermatitis und
  • durch Haemodialysebehandlung bedingten nachgewiesenem Zinkmangel sowie
  • zur Hemmung der Kupferaufnahme bei Morbus Wilson

*S3 Leitlinie "Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Osteoporose“  www.awmf.org  Leitlinien