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Ambulante spezialfachärztliche Versorgung (ASV)

Die ambulante spezialfachärztliche Versorgung ist ein Angebot für Menschen, die an einer komplexen, schwer therapierbaren Krankheit leiden. Um welche Indikationen es sich handelt, hat der Gesetzgeber in § 116 b SGB V festgelegt und die Rahmenbedingungen und Kriterien beschrieben:

  • schwere Verlaufsformen von Erkrankungen mit besonderen Krankheitsverläufen, zum Beispiel onkologische Erkrankungen, Rheuma und Herzinsuffizienz
  • seltene Erkrankungen und Erkrankungszustände mit entsprechend geringen Fallzahlen, zum Beispiel Tuberkulose, Marfan-Syndrom, Mukoviszidose
  • hochspezialisierte Leistungen, zum Beispiel CT/MRT-gestützte interventionelle schmerztherapeutische Leistungen

Der Gemeinsame Bundesausschuss hat alle wichtigen Grundlagen des neuen Versorgungsbereichs in der ASV-Richtlinie zusammengefasst. Nun konkretisiert er schrittweise den Behandlungsumfang und die Anforderungen an Teilnehmer, Ausstattung und Qualitätssicherung für die einzelnen Krankheitsbilder. Die Beschreibungen umfassen die Diagnostik und Behandlung von seltenen und schweren Erkrankungen.

 

Die ambulante Vertragsärztliche Versorgung ist ein neuer, interdisziplinärer und sektorenübergreifender Versorgungsbereich. Er ist eigenständig und gehört nicht zu der, durch die KV organisierten Versorgung und in ihre Zuständigkeit. Ärzte, die für eine bestimmte Indikation an der ASV teilnehmen wollen, müssen das vorher dem erweiterten Landesausschuss anzeigen. Dieser Ausschuss ist besetzt mit Vertretern der Vertragsärzteschaft, der Krankenkassen und der Krankenhausgesellschaft.

 

 

Um diese Erkrankungen geht es

Aus der langen Liste der in § 116 b SGB V aufgeführten Indikationen liegen nun die ersten beiden Beschreibungen liegen vor:

  • Tuberkulose: Start 1. April 2014   (seltene Erkrankungen)
  • Marfan-Syndrom, eine genetisch bedingte Bindegewebserkrankung. Start 30. Juni 2015  (seltene Erkrankungen)
  • Gastrointestinale Tumore / Tumore der Bauchhöhle: Start 1. Juli 2014  (schwere Erkrankungen)
  • Gynäkologische Tumore. Start: mit amtlicher Veröffentlichung  (schwere Erkrankungen)

In der Gruppe der seltenen Erkrankungen stehen das Marfan-Syndrom, die pulmonale Hypertonie und Mukoviszidose, als nächste Indikationen auf der Themenliste. Bei den schweren Erkrankungen folgen gynäkologische Tumore, rheumatologische Erkrankungen und Herzinsuffizienz.

Wer behandelt die Patienten?

Alle Teammitglieder sind Fachärzte. Sie sind verpflichtet, die Diagnosestellung und leitende Therapieentscheidungen persönlich zu treffen. Die Behandlung übernehmen Teams von Spezialisten unterschiedlicher Fachrichtungen. Sie können bei Bedarf weitere Ärzte und Psychotherapeuten hinzuziehen, um die Patienten so individuell wie möglich zu versorgen.
In den Teams arbeiten niedergelassene Fachärzte und Krankenhausärzte sektorenübergreifend zusammen. Im Einzelfall können Ärzte des hausärztlichen Versorgungsbereichs an der ASV teilnehmen (z.B. bei der HIV-/Aids-Versorgung) oder Psychologische Psychotherapeuten oder Zahnärzte zur Behandlung hinzugezogen werden. Auch Kooperationen mit sozialen oder palliativmedizinischen Diensten sind vorgesehen.

Ort der Behandlung

Die Behandlung erfolgt in den Praxen der jeweiligen ASV-Ärzte oder in den Räumen der teilnehmenden Krankenhäuser. Die Teammitglieder müssen nicht unter einem Dach tätig sein. Sie können an unterschiedlichen Orten praktizieren. Um den Patienten möglichst lange Wege zu ersparen, sollen sie in angemessener Nähe zum Teamleiter praktizieren und dort einmal in der Woche eine Sprechstunde anbieten.

Qualitätssicherung

Schon der Name ambulante spezialfachärztliche Versorgung verdeutlicht, dass die Teilnahme besondere fachärztliche Qualifikationen voraussetzt. Die Teammitglieder müssen über ausreichend Erfahrung in der Behandlung der Erkrankungen verfügen und sich auf dem Gebiet regelmäßig fortbilden.
Den Nachweis, dass sie die fachlichen und organisatorischen Anforderungen und Voraussetzungen der ASV-Richtlinie erfüllen, müssen sie dem Erweiterten Landesausschuss der Ärzte und Krankenkassen vorlegen. Erteilt wird die Berechtigung nicht für alle Krankheitsbilder, sondern immer nur für eine bestimmte Erkrankung.