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Nachgefragt

Nachgefragt ist der Videocast der KV Hamburg, der zu Themen rund um Gesundheitspolitik und Praxisalltag erscheint. 

 

 

 

Mehr Honorar?! (Mai 2012)

 

 

Textfassung des Videos

Herr Dr. Späth, die Honorarverhandlungen liegen nun hinter Ihnen. Lief es eher gut oder eher schlecht?

Schlecht lief insbesondere, dass die Krankenkassen  den kleinen Verhandlungsspielraum, den wir hatten – also besondere Leistungen, nicht genutzt hat und skandalös finde ich, dass die Krankenkassen die von ihnen selbst geforderten Besuche, Haus- und Heimbesuche,  nicht in voller Höhe und extrabudgetär bezahlen wollten, so  wie wir das verlangt haben.

 

Rechtfertigen denn die Überschüsse der Kassen auch automatisch mehr Geld für unsere Ärzte?

Der Gesetzgeber hat erzwungen mit einem Gesetz vor 2 Jahren, dass in 2011 und 2012 die Honorarsteigerungen auf 1,25 begrenzt werden. Das war ein gesetzlich erzwungenes Sparopfer, dass die Ärzte gebracht haben, vor dem Hintergrund es gäbe ein Defizit in 2011 in Höhe von 11 Milliarden. Jetzt haben wir fast 20 Milliarden im Gesundheitsfonds und bei den Kassen plus und es ist selbstverständlich, dass wir das Geld, das uns erzwungenermaßen weggenommen wurde, wieder zurückgegeben wird, dass wir also einen Nachschlag bekommen, denn dieses Sparopfer war offensichtlich nicht erforderlich.

 

Welche Konsequenzen werden Sie aus den Honorarverhandlungen ziehen?

Solche Verhandlungen wollen wir eigentlich nicht mehr führen…. Und ich denke, dass die Kassenärzte sich auf eine neue Zeit vorbereiten müssen.

 

…. das bedeutet?

Also ich stehe auf dem Standpunkt, dass die Ärzte mittlerweile sich ähnlich wie große Verbände, wie Gewerkschaften organisieren müssen, ihre klaren Honorarforderungen aufstellen müssen.. und wenn diese nicht erfüllt werden, dann auch klare Konsequenzen in den Raum stellen.

 

…heißt das etwa Streik?

Eine logische Konsequenz ist, dass die Leistungen, die die Ärzte für die Versicherten zur Verfügung stellen, der Menge des Geldes angepasst werden, und wenn nur 70% bezahlt werden, dann werden dann halt in der Zukunft auch nur 70% der Leistung zur Verfügung gestellt.

 

…. sollen dann bestimmte Behandlungen verweigert werden?

Es ist ja noch nie ein Patient im Stich gelassen worden. Da haben die Ärzte ja gezeigt, dass sie ihren Beruf Ernst nehmen und ihre Verantwortung tragen. Also Notfälle werden immer behandelt…aber wir haben heute planbare Eingriffe, wir haben Behandlungen, die nicht auf der Stelle durchgeführt werden müssen und die werden dann wie in anderen Ländern, wo rationiert wird, auch nach hinten geschoben werden.

 

Mit welchen Forderungen gehen Sie in die nächsten Verhandlungen?

Wir wollen eine kalkulierbare Eurogebührenordnung, die tatsächlich auch mit Euros hinterlegt ist. Wir wollen, dass alle Leistungen, die von uns erbracht wurden, die auch notwendig sind auch von den Krankenkassen bezahlt werden. Wir fordern, dass sie mit einem Punktwert von 5,11 Cent vergütet werden, also wirtschaftlich so wie die Leistungen vor 10 Jahren mal kalkuliert wurden auch bezahlt werden.  Und wir fordern, dass der medizinische Fortschritt und die demographische Entwicklung, das heißt die wachsende Morbidität, von den Krankenkassen eins zu Eins mehr vergütet wird.