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Verordnung



02.02.2018

Stellungnahme zur Kostenübernahme einer medikamentösen Scabiesprophylaxe

Aktuell erreichen uns zahlreiche Anfragen bezüglich des  Kostenträgers für eine medikamentöse Therapie gegen Krätze bzw. prophylaktische Behandlung für alle Bewohner eines bestimmten Pflegeheims in Hamburg. Zur Klärung des Sachverhalts haben wir auch mit dem Gesundheitsamt Hamburg Rücksprache gehalten.

 

Ist bei einem Patienten eine Krätze symptomatisch und diagnostiziert, übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für die kurative  Arzneimittelbehandlung. Grundsätzlich ist Permethrin topisch (Infectoscab® 5% Creme, Permethrin Biomo® 5% Creme) das Mittel der ersten Wahl. Wenn wegen nicht zu beein­flussender Rahmen­be­dingungen eine bestimmungs­mäßige Anwendung von Permethrin nicht möglich ist, wird Ivermectin oral (Scabioral®) empfohlen.

 

Die präventive Behandlung der nicht-symptomatischen Pflegeheimbewohner und des nicht-symptomatischen Pflegepersonals stellt keine Pflichtleistung der gesetzlichen Krankenversicherung dar. Nach Aussage des Gesundheitsamtes werden im oben genannten Fall die Voraussetzungen für eine Übernahme der Kosten durch die Behörde nicht erfüllt. Bei der präventiven Behandlung des nicht-symptomatischen Pflegepersonals müsste ggf. geprüft werden, ob die Kosten für das Pflegepersonal vom Arbeitgeber im Rahmen der arbeitsmedizinischen Vorsorge übernommen werden. Für alle anderen nicht-symptomatischen Heimbewohner und ggf. deren Kontaktpersonen/Familien bleibt nur die Verordnung auf einem Privatrezept. Eine Rücksprache mit der jeweiligen Krankenkasse bzgl. einer freiwilligen Kostenübernahme im Einzelfall ist möglich.

 

Hinweis: Die prophylaktische Therapie bei unsymptomatischen Kontaktpersonen ist nicht Teil der Arzneimittelzulassung (siehe Fachinformation). Die Behandlung von Kontaktpersonen ohne Symptome ist ein sogenannter Off-Label-Use, der spezielle Aufklärungs- und Dokumentationspflichten sowie eine besonders sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung beinhaltet.

 

Diese Stellungnahme bezieht sich ausschließlich auf die Frage der Kostenübernahme und nicht auf die Frage einer medizinischen Notwendigkeit einer prophylaktischen Behandlung.

 

Ausführliche Informationen zu diesem Thema finden Sie in im RKI-Ratgeber für Ärzte "Scabies"

 


 

04.01.2018

Nahrungsergänzung mit Vitamin D- Fluch oder Segen?

Sobald die Tage kürzer werden, wird in der Laienpresse die Einnahme von Vitamin-D-haltigen Präparaten beworben. Ein Vitamin D-Mangel soll z.B. für Müdigkeit, Abgeschlagenheit und sogar gedrückte Stimmung verantwortlich sein. Kürzlich hat die AkdÄ über zwei Fallberichte informiert, die zeigen, dass die Einnahme von vermeintlich harmlosen Vitamin-D-haltigen Nahrungsergänzungsmitteln oder Präparaten schädlich sein kann. Den kompletten Text finden Sie hier.

Wegen der Gefahr einer Hypervitaminose bzw. einer Hyperkalzämie rät die AkdÄ daher davon ab, eigenständig hochdosierte Vitamin-D-Präparate einzunehmen.

 

Die Verordnung von Vitamin D zu Lasten der Kasse ist nur eingeschränkt möglich. Entsprechend ist auch die Bestimmung des Vitamin D-Spiegels (25-OH-Vitamin D) nur bei medizinischer Notwendigkeit Kassenleistung. Die regelhafte, routinemäßige Messung des Blutspiegels von Vitamin D im Sinne eines Screenings ist keine Kassenleistung! Hinweise zur Laborbestimmung und zur Verordnungsfähigkeit von Vitamin D finden Sie im KV-Journal 2013, Nr. 7-8, Seite 18ff.

 

20.12.2017

Anerkennung von Verordnung häuslicher Krankenpflege zum Jahreswechsel

Die AOK Rheinland/Hamburg, der vdek, die IKK Classic sowie der BKK Landesverband Nordwest haben festgelegt, dass Verordnung häuslicher Krankenpflege für den Zeitraum ab dem 1. Januar 2018 mit Ausstellungsdatum ab 11. Dezember 2017 unter der Voraussetzung anerkannt werden, dass diese im Dezember bei der zuständigen Krankenkasse eingehen. Die Fristen für die vorläufige Kostenzusage bleiben unberührt. Verordnungen, die spätestens am 31. Dezember 2017 ausgestellt werden, werden ab dem 1. Januar nur dann anerkannt, wenn diese den Eingangsstempel der jeweiligen Krankenkasse bis 8. Januar 2018 tragen. Bei einem Ausstellungsdatum vom 2. bis 5. Januar ist auf der jeweiligen Verordnung anzugeben, dass die Arztpraxis bis zum vorhergehenden Werktag – außer Samstag – geschlossen war.

 


11.12.2017

Änderungen im Heilmittelbereich zum 1. Januar 2018

Folgende Änderungen bei der Versorgung mit Heilmitteln treten am 1. Januar 2018 in Kraft:

  • Ernährungstherapie als neues Heilmittel
  • Verordnung von Ernährungstherapie auf Muster 18
  • Ernährungstherapie gelistet unter langfristigem Heilmittelbedarf
  • Korrekturen der Diagnoselisten

Ernährungstherapie

Ab 01.01.2018 kann gesetzlich versicherten Patienten mit seltenen angeborenen Stoffwechselerkrankungen und Mukoviszidose von Vertragsärzten Ernährungstherapie als Heilmittel zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung verordnet werden. Die Verordnung erfolgt auf Formular 18, auf dem bisher nur Ergotherapie verordnet wurde. Da das Formular bis auf den Zusatz " Ernährungstherapie" unverändert bleibt, können die alten Formulare zunächst aufgebraucht werden.  Die Verdruckerläuterungen wurden allerdings durch die Aufnahme der Ernährungstherapie erweitert .Die Änderungen erläutern wir in der Anlage.

Da in der Regel seltene angeborene Stoffwechselerkrankungen und Mukovizidose einer lebenslangen Ernährungstherapie bedürfen, wurden diese Indikationen als langfristiger Heilmittelbedarf in die Heilmittel-Richtlinie aufgenommen.

Korrekturen der Diagnoselisten

Mit Inkrafttreten der geänderten Diagnoseliste des langfristigen Heilmittelbedarfs in Anlage 2 der Heilmittel-Richtlinie (s.o.) werden auch inhaltliche Korrekturen umgesetzt. So sind unter den dort gelisteten Diagnosen für systemische Sklerosen/Sklerodermie die Diagnosegruppe SB1 „Wirbelsäulenerkrankungen“ gestrichen und durch SB7 „Erkrankungen mit Gefäß-, Muskel- und Bindegewebsbeteiligung, insbesondere systemische Erkrankungen“ ersetzt worden. Diese Korrekturen wurden nun folgerichtig auch für die Diagnosen vollzogen, die als „besondere Verordnungsbedarfe“ für den Diagnosekomplex „systemische Sklerosen/Sklerodermie“ vereinbart sind (M34.2, M34.8 und M34.9).

 



06.11.2017

InfectoDiarrstop LGG® ist keine Kassenleistung mehr

Das Durchfallmittel InfectoDiarrstop LGG® kann nicht mehr zu Lasten der GKV verordnet werden. Das hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) entschieden.

 

Mittel gegen Durchfall können grundsätzlich nicht zu Lasten der Krankenkassen verordnet werden. Allerdings gibt es einige Ausnahmen, die in Anlage III der Arzneimittel-Richtlinie gelistet sind. Aus dieser Liste wurde nun die folgender Absatz gestrichen: „ausgenommen Lactobacillus rhamnosus GG (mind. 5 x 109 koloniebildenden Einheiten/Dosiseinheit) bei Säuglingen und Kleinkindern zusätzlich zu Rehydratationsmaßnahmen“. Betroffen sind alle Varianten: InfectoDiarrstop LGG® geschmacksneutral, Kirsch und Banane jeweils mit Elektrolyten sowie die Variante InfectoDiarrstop LGG® Mono ohne Elektrolyte.

 

Die Änderung der Arzneimittel-Richtlinie trat am 4. November 2017 in Kraft.

 

Die „Tragenden Gründe zum Beschluss“ finden Sie hier


19.10.2017

BtM-Rezept - Fristüberschreitung beim Import von Cannabisblüten

Cannabisblüten werden zurzeit noch aus dem Ausland importiert. Das führt häufig zu einer längeren Lieferzeit. Der Patient sollte das BtM-Rezept innerhalb von 7 Tagen in der Apotheke vorlegen, denn grundsätzlich gilt eine Frist von 7 Tagen (Ausstellungsdatum + 7 Tage). Der Import eines Arzneimittels und die damit häufig unvermeidbare Verzögerung der Belieferung erlaubt eine spätere Abrechnung.

 

Quelle: Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung (BtMVV)
§ 12 Abgabe

(1) Betäubungsmittel dürfen vorbehaltlich des Absatzes 2 nicht abgegeben werden:

1. auf eine Verschreibung,

a) die nach den §§ 1 bis 4 oder § 7 Abs. 2 für den Abgebenden erkennbar nicht ausgefertigt werden durfte,

b) bei deren Ausfertigung eine Vorschrift des § 7 Abs. 1 Satz 2, des § 8 Abs. 1 Satz 1 und 2 oder des § 9 nicht beachtet wurde,

c) die bei Vorlage vor mehr als sieben Tagen ausgefertigt wurde, ausgenommen bei Einfuhr eines Arzneimittels nach § 73 Abs. 3 Arzneimittelgesetz, oder

d) die mit dem Buchstaben "K" oder "N" gekennzeichnet ist;

2. (...)

 


 
03.08.2017

Arzneimittelpraxisbesonderheiten: Die Abrechnungsnummern (91xxx) gelten nicht mehr

Arzneimittelpraxisbesonderheiten (z.B. Onkologika, HIV-Präparate usw.), wie man sie aus der Zeit der Richtgrößen kennt, sind mit der Wirkstoffvereinbarung obsolet geworden. Daher gelten auch die Listen der Arzneimittelpraxisbesonderheiten und die entsprechenden Symbolziffern („91er-Nummern“) seit dem 01.01.2017 nicht mehr.

 

Davon unberührt sind die bundesweiten Praxisbesonderheiten: Wirkstoffe, für die Vereinbarungen im Nachgang zur frühen Nutzenbewertung (§ 130b Abs. 2 Satz 1 SGB V) als Praxisbesonderheit bestehen, bleiben von der Wirkstoffvereinbarung unberücksichtigt. Sie finden die Liste der bundesweiten Praxisbesonderheiten unter www.gkv-spitzenverband.de

 

Achtung: Grundsätzlich ist auch bei der Verordnung dieser Arzneimittel das Wirtschaftlichkeitsgebot zu beachten. Die Anerkennung als Praxisbesonderheit gilt nur für die explizit genannten Indikationsbereiche dieser Wirkstoffe. Einzelfallprüfungen sind möglich.

 


04.07.2017

Heilmittel: Podologie- Verordnung von Hausbesuchen

Die Podologieverbände haben die KVen gebeten, auf das Problem hinzuweisen, dass zu häufig ungerechtfertigt Hausbesuche verordnet werden.Es wird darum gebeten, die Verordnungen zum Hausbesuch sorgsam und indikationsbezogen vorzunehmen.
Folgende Gründe rechtfertigen für sich allein noch nicht einen Hausbesuch:

  • Alter
  •  Allgemeine eingeschränkte Gehfähigkeit
  • Gehunterstützung mittels Rollator oder Unterarmgehstützen
  • Rollstuhl bei Geheinschränkung/-verlust
  • Vorübergehende Hilfsmittel, bspw. Verbandsschuh, Cast
  • Visuseinschränkung/-verlust
  • Sonstige körperliche Einschränkungen/Defizite bei erhaltener Mobilität
  • Schlechte Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel

03.07.2017

Wirkstoffvereinbarung- Neue Arbeitshilfe zum Ziel Nr. 21 " Sexualhormone und Modulatoren des Genitalsystems"

Im Nachgang zu unseren Informationsveranstaltungen zur neuen Wirkstoffvereinbarung haben wir eine Arbeitshilfe zum Ziel Nr. 21 " Sexualhormone und Modulatoren des Genitalsystems“ zusammengestellt. Die Arbeitshilfe soll Ihnen einen schnellen Überblick über die häufigsten Wirkstoffe und die entsprechend verfügbaren Arzneimittel sowie deren Einordnung (Original vs. Generikum) ermöglichen. Da die Arzneimittel in diesem Wirkstoffziel nicht immer auf den ersten Blick als Original bzw. Generikum erkannt werden können,  haben wir den vielfach geäußerten Wunsch nach einer „einfachen“ Beispielliste aufgegriffen. Hier finden Sie die Arbeitshilfe.

 

Um den Umfang zu begrenzen und so die Handhabbarkeit zu gewährleisten, sind nicht alle von diesem Ziel umfassten Arzneimittel aufgeführt. Für einen vollständigen Überblick nutzen Sie bitte die Arbeitslisten in unserem Mitgliederportal.

 

Bitte beachten Sie darüber hinaus , dass auch Rabattarzneimittel der Erreichung Ihrer Wirkstoffziele dienen.. Informationen zu eventuellen Rabattverträgen finden Sie ebenfalls in den Arbeitslisten oder nutzen Sie hier die entsprechende Funktionalität Ihres Praxisverwaltungssystems, in dem diese Informationen aktualisiert vorliegen müssen.

 


09.03.2017

Cannabis verordnungsfähig ab 10.03.2017

Das „Gesetz zur Änderung betäubungsmittelrechtlicher und anderer Vorschriften“ ist seit dem 10.03.2017 in Kraft. Mehr

 


21.11.2016

Glukokorticoid - Nasensprays für Patienten ab 18 Jahren  zur symptomatischen Behandlung einer saisonalen allergischen Rhinitis keine Kassenleistung mehr!

Fluticason-  und Mometason - haltige Nasensprays sind mit Wirkung zum 01.10.2016 in bestimmten Grenzen aus der Verschreibungspflicht entlassen worden (Änderung der Anlage 1 der Arzneimittelverschreibungsverordnung – AMVV). Diese Veränderung beeinflusst die Verordnungsfähigkeit zulasten der gesetzlichen Kassen. So sind nach den Bestimmungen der Arzneimittelrichtlinie nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel zu Lasten des Versicherten zu verordnen, wenn sie zur Behandlung einer Erkrankung medizinisch notwendig, zweckmäßig und ausreichend sind. In diesen Fällen kann die Verordnung eines verschreibungspflichtigen Arzneimittels unwirtschaftlich sein. Da nach den Bestimmungen des Sozialgesetzbuchs nichtverschreibungspflichtige Arzneimittel für Erwachsene nicht von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen werden  und für diese Nasensprays in der Anlage I der Arzneimittelrichtlinie(OTC Liste) keine Ausnahmeindikation formuliert ist, fallen diese Präparate für bestimmte Erkrankungen aus der Leistungspflicht der Krankenkassen.  

 

Die Fluticason- bzw. Mometasonhaltigen Nasensprays sind freiverkäuflich, wenn folgende Bedingungen kumulativ erfüllt sind:

  • bei Erwachsenen zur symptomatischen Behandlung der saisonalen allergischen Rhinitis
  • wenn die Erstdiagnose einer saisonalen allergischen Rhinitis durch einen Arzt gestellt worden ist
  • bis zu einer Tagesdosis von maximal 200 Mikrogramm Mometasonfuroat bzw. Fluticasonpropionat
  • wenn auf den Behältnissen und äußeren Umhüllungen des Arzneimittels angegeben ist, dass die Anwendung dieses Präparates nur auf Erwachsene beschränkt ist.

Zu den freiverkäuflichen Mometasonhaltigen Präparaten zählen u.a. Momeallerg® oder Mometahexal®. Seit Anfang 2017 ist auch ein freiverkäufliche Fluticasonhaltiges Präparat auf dem  Markt (OTRI-Allergie® Nasenspray Fluticason; Stand 01.04.2017 – Lauer Taxe).  Beclomethasonhaltige Nasensprays (Ratioallerg® Nasenspray , Rhinivict nasal® ) sind bereits seit mehreren Jahren für die Selbstmedikation wie oben beschrieben rezeptfrei erhältlich.

 

Verschreibungspflichtige Präparate wie beispielsweise Nasonex® bleiben in folgenden Fällen zulasten der Kassen verordnungsfähig:

  • zur Anwendung bei Kindern ( ab 3 Jahren) und Jugendlichen bis zum 18. Geburtstag zur symptomatischen Behandlung einer saisonalen allergischen Rhinitis
  • für Kinder und Erwachsene zur Behandlung einer perennialen Rhinitis
  •  zur Behandlung einer Polyposis nasi bei Patienten ab 18 Jahren

Da in diesem Zusammenhang nachgefragt, erinnern wir daran, dass eine Verordnung von nichtverschreibungspflichtigen Antihistaminika (z.B. Cetirizin Tabletten) für Jugendliche und Erwachsene zur Behandlung der  schwerwiegenden allergischen Rhinitis, bei der eine topische nasale Behandlung mit Glukokortikoiden nicht ausreichend ist, zulasten der Kassen möglich ist.