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Verordnung

Kein anderes Thema wird so kontrovers diskutiert, steht so hartnäckig im Fokus von Politik und Medien wie die Kosten für Arznei-, Heil- und Hilfsmittel. Ein gigantisches Ausgabenvolumen und ein nahezu undurchdringliches Dickicht an Richtlinien, Gesetzen und Vorgaben setzen den Arzt zunehmend unter Druck.

Auf diesen Seiten finden Sie aktuelle Informationen, nützliche Tipps sowie alle wichtigen Regelungen, die Sie im Praxisalltag bei der Entscheidung zur Verordnung von Medikamenten, Hilfsmitteln und therapeutischen Maßnahmen unterstützen.

 

Information


26.04.2018

 

Änderungen in der Arzneimittelverordnungssoftware – Aufdruck der Pharmazentralnummer obligatorisch

Zum 01. April 2018 sind die Neuerungen des Anforderungskataloges nach § 73 SGB V für Verordnungssoftware und Arzneimitteldatenbanken verbindlich in Kraft getreten. Diese sehen unter anderem vor, dass die Aktualisierung der Arzneimittelstammdaten innerhalb der Verordnungssoftware mindestens monatlich erfolgen und  der Arzt in Zukunft darauf aufmerksam gemacht wird, dass die Aktualität der Arzneimittelstammdaten abläuft und ein Update erforderlich ist. Weiterhin soll durch das automatische Auftragen der Pharmazentralnummer (PZN) auf einem Rezept unklaren Verordnungen vorgebeugt werden. Insbesondere der letzte Punkt hat zu zahlreichen Rückfragen und Missverständnissen auf Arzt- und Apothekerseite geführt. Wir haben für Sie im Folgenden die wichtigsten  Punkte zum automatischen Aufdruck der PZN auf Rezepten dargestellt:

  • Der verpflichtende PZN-Aufdruck im Rahmen des Anforderungskatalog nach § 73 SGB V ist eine Anforderung an die Verordnungssoftware (und damit ein Auftrag an die Softwarehersteller) und  keine direkt gesetzliche Anforderung durch die Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV)  an den Arzt!

  • Gilt nur für elektronische Verordnungen bei der Auswahl eines Fertigarzneimittels (FAM) aus einer Arzneimitteldatenbank.  Freitextverordnungen ohne Nutzung der Arzneimitteldatenbank sind unverändert gestattet. Der Arzt muss  dabei keine PZN freitextlich zusätzlich aufbringen!  Wirkstoffverordnungen sind davon ebenfalls nicht betroffen, da ein Wirkstoff keine PZN hat.

  • Dosierangaben auf dem Rezept sind weiterhin erlaubt, es steht lediglich aufgrund des PZN-Auftrages etwas weniger Platz zur Verfügung als zuvor.

  • Apotheken dürfen weiterhin Rezepte ohne PZN beliefern, sofern alle Angaben nach der Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV) korrekt vorhanden sind und die Verordnung eindeutig ist.

  • Verordnungen mit PZN sind nach wie vor, wie auch vor Gültigkeit des neuen Anforderungskatalogs, keine automatischen aut-idem-Verordnungen. Der (Rabatt-)Austausch in der Apotheke ist weiterhin unverändert möglich bzw. verpflichtend (bei den entsprechenden Voraussetzungen). Soll aus medizinischen Gründen kein Austausch in der Apotheke erfolgen ist hierfür nach wie vor das Aut-idem-Kreuz notwendig.


 

23.02.2018

Flupirtin (Katadolon®, Generika) Marktrücknahme

Das Analgetikum Flupirtin (Katadolon®, Generika) wird vom Markt verschwinden. Der Pharmakovigilanzausschuss der EMA hat empfohlen, die Zulassungen von Arzneimitteln mit dem Wirkstoff zu widerrufen, da Patientinnen und Patienten weiterhin schwerwiegenden Risiken ausgesetzt sind, die den Nutzen dieser Arzneimittel überwiegen.

 

Flupirtin ist ein Schmerzmittel, das für bis zu zwei Wochen zur Behandlung von akuten Schmerzen bei Patientinnen und Patienten angewendet wird, die keine anderen Schmerzmittel wie Opioide oder nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) einnehmen können. Die Gefahr einer Lebertoxizität im Zusammenhang mit der Einnahme von Flupirtin ist lange bekannt und reicht von Leberenzymwerterhöhung bis hin zu tödlichem Leberversagen oder Lebertransplantationen. Bereits 2013 informierte die AkdÄ über die strengen Auflagen bei der Anwendung. Die Anwendungsdauer von Flupirtin wurde auf zwei Wochen begrenzt und der Einsatz des Mittels auf Patientinnen und Patienten beschränkt, bei denen andere Schmerzmittel nicht angewendet werden können. Zudem wurden Laborkontrollen der Leberwerte während der Behandlung eingeführt. Die AkdÄ berichtet darüber hinaus über Meldungen, die auf ein Suchtpotential von Flupirtin hindeuten.

 

Viele Hersteller haben Ihre Präparate bereits zurück gerufen. Unsere Auswertung der Verordnungsdaten hat ergeben, dass es im dritten Quartal 2017 in Hamburg 1.000 Verordnungen (entsprechen 14.479 DDDs) über Flupirtin gab. Katadolon fällt in das WSV-Ziel Nr. 1 Analgetika und beeinflusst als Originalarzneimittel Ihre Zielerreichung negativ.

 

 


02.02.2018

Stellungnahme zur Kostenübernahme einer medikamentösen Scabiesprophylaxe

Aktuell erreichen uns zahlreiche Anfragen bezüglich des  Kostenträgers für eine medikamentöse Therapie gegen Krätze bzw. prophylaktische Behandlung für alle Bewohner eines bestimmten Pflegeheims in Hamburg. Zur Klärung des Sachverhalts haben wir auch mit dem Gesundheitsamt Hamburg Rücksprache gehalten.

 

Ist bei einem Patienten eine Krätze symptomatisch und diagnostiziert, übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für die kurative  Arzneimittelbehandlung. Grundsätzlich ist Permethrin topisch (Infectoscab® 5% Creme, Permethrin Biomo® 5% Creme) das Mittel der ersten Wahl. Wenn wegen nicht zu beein­flussender Rahmen­be­dingungen eine bestimmungs­mäßige Anwendung von Permethrin nicht möglich ist, wird Ivermectin oral (Scabioral®) empfohlen.

 

Die präventive Behandlung der nicht-symptomatischen Pflegeheimbewohner und des nicht-symptomatischen Pflegepersonals stellt keine Pflichtleistung der gesetzlichen Krankenversicherung dar. Nach Aussage des Gesundheitsamtes werden im oben genannten Fall die Voraussetzungen für eine Übernahme der Kosten durch die Behörde nicht erfüllt. Bei der präventiven Behandlung des nicht-symptomatischen Pflegepersonals müsste ggf. geprüft werden, ob die Kosten für das Pflegepersonal vom Arbeitgeber im Rahmen der arbeitsmedizinischen Vorsorge übernommen werden. Für alle anderen nicht-symptomatischen Heimbewohner und ggf. deren Kontaktpersonen/Familien bleibt nur die Verordnung auf einem Privatrezept. Eine Rücksprache mit der jeweiligen Krankenkasse bzgl. einer freiwilligen Kostenübernahme im Einzelfall ist möglich.

 

Hinweis: Die prophylaktische Therapie bei unsymptomatischen Kontaktpersonen ist nicht Teil der Arzneimittelzulassung (siehe Fachinformation). Die Behandlung von Kontaktpersonen ohne Symptome ist ein sogenannter Off-Label-Use, der spezielle Aufklärungs- und Dokumentationspflichten sowie eine besonders sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung beinhaltet.

 

Diese Stellungnahme bezieht sich ausschließlich auf die Frage der Kostenübernahme und nicht auf die Frage einer medizinischen Notwendigkeit einer prophylaktischen Behandlung.

 

Ausführliche Informationen zu diesem Thema finden Sie in im RKI-Ratgeber für Ärzte "Scabies"

 



 

 

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