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Verordnung

Kein anderes Thema wird so kontrovers diskutiert, steht so hartnäckig im Fokus von Politik und Medien wie die Kosten für Arznei-, Heil- und Hilfsmittel. Ein gigantisches Ausgabenvolumen und ein nahezu undurchdringliches Dickicht an Richtlinien, Gesetzen und Vorgaben setzen den Arzt zunehmend unter Druck.

Auf diesen Seiten finden Sie aktuelle Informationen, nützliche Tipps sowie alle wichtigen Regelungen, die Sie im Praxisalltag bei der Entscheidung zur Verordnung von Medikamenten, Hilfsmitteln und therapeutischen Maßnahmen unterstützen.

 

Information


10.01.2019

Wirkstoffvereinbarung  2019 -  was sollten Sie wissen?

Für das nächste Jahr haben wir uns mit den Krankenkassen darauf geeinigt, dass wir keine neuen Wirkstoffgruppen vereinbaren. Stattdessen soll der Focus auf dem vermehrten Einsatz der Biosimilars -  vor allem im Bereich der TNF alpha Blocker -  liegen. Seit Ende Oktober liegt nunmehr auch Adalimumab biosimilar vor und für die hamburgweite Zielquote haben wir uns auf 40% geeinigt. Auch für die Fachgruppe der Rheumatologen wurde der Zielwert auf 40% angehoben. Abweichend von den Vorjahren haben  auch die Hautärzte nunmehr eine Zielquote (vorsichtige 5%) für die TNF alpha Blocker bekommen.

Trotz der von Kassen abgeschlossenen Rabattverträge mit den Originalherstellern lautet die die mit der Kassenseite vereinbarte vorrangige Empfehlung zur wirtschaftlichen Verordnung BIOSIMILARS FIRST!

 

Leider ist es uns für 2019 nicht gelungen,  die Kassenseite davon zu überzeugen, die Phenprocoumonquote in der Wirkstoffgruppe der Antikoagulantien (25.1.) aufzugeben. Zu groß war deren Sorge, dass dann in kurzer Zeit auch die noch verbliebenen Patienten  auf die NOAK’s umgestellt werden. Zumindest konnten wir die hausärztliche Quote auf 24,5 % absenken und damit den oft kritisierten Abstand zur kardiologischen Quote beseitigen. Auch der hamburgweite Zielwert  wurde auf 30% gesenkt. Für das zweite NOAK – Ziel (25.2. - Leitsubstanzen sind hier Apixaban und Lixiana) haben wir allerdings die Quote auf 70% erhöht. Rabattarzneimittel bleiben weiterhin positiv. Hier empfehlen wir unbedingt den Vorrang der Leitsubstanzen, da die Prüfung, ob wirklich für Xarelto oder Pradaxa Rabattverträge vorliegen, anscheinend fehleranfällig ist.

 

In der Wirkstoffgruppe „Mittel zur Behandlung von Knochenerkrankungen“ wurde  vereinbart für die Fachgruppe der Urologen für 2019 den Zielwert abzusenken (25%).

 

Bitte unbedingt auch im neuen Jahr an die Generika denken, deren Preise über dem Festbetrag liegen und die deshalb nicht die Zielerreichung fördern. Welche Generika zu dieser Gruppe gehören und nicht verordnet werden solten lesen Sie hier.  Vor dem Hintergrund dieser Regelung haben wir den Zielwert für die Thrombozytenaggregationshemmer (WG 22) auf 90% abgesenkt und  für Kinderärzte sowie Kinder- und Jugendpsychiater  2019 in der Gruppe der Antiepileptika die Zielwerte gestrichen. 

 

Alle anderen Zielwerte bleiben für 2019 unverändert bestehen.

 

Bitte beachten Sie: die vollständige Vereinbarung finden Sie nach Abschluss des Unterschriftenverfahrens auf unserer Homepage unter der Rubrik Recht&Verträge.

 


02.01.2019

Ärztlich verordnete Krankenfahrten mit Pflegegrad 3, 4 oder 5

Ab Januar brauchen Patienten mit Pflegegrad 3, 4 oder 5 die ärztlich verordneten Krankenfahrten mit Taxi oder Mietwagen nicht mehr ihrer Krankenkasse zur Genehmigung vorzulegen. Die Erleichterung gilt auch bei Verordnungen für Patienten mit Schwerbehinderung. Die Neuerung geht auf das Pflegepersonalstärkungsgesetz zurück. Damit soll die Krankenbeförderung pflegebedürftiger und schwerbehinderter Patienten (Merkzeichen „aG“, „Bl“ oder „H“) zur ambulanten Behandlung und zurück nach Hause beziehungsweise ins Heim erleichtert werden.

 


20.12.2018

Verordnung des neuen Migränemittels Aimovig®

Der monoklonale Antikörper Erenumab (Aimovig®) ist zur Migräneprophylaxe bei Erwachsenen mit mindestens vier Migränetagen im Monat zugelassen. Als verschreibungspflichtiges Arzneimittel ist es bei entsprechender Indikation unter Berücksichtigung des Wirtschaftlichkeitsprinzips zulasten der gesetzlichen Krankenkassen verordnungsfähig.

Aufgrund der derzeitigen Datenlage  sollte das Präparat nur verordnet werden bei Versagen anderer Arzneimittel zur Migräneprophylaxe oder bei Unverträglichkeit. Erenumab ist der erste monoklonale Antikörper, der sich spezifisch gegen das migräneauslösende Neuropeptid Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP) richtet. In klinischen Studien verringert die übliche empfohlene Dosis von 70 mg Erenumab die Zahl der durchschnittlichen Migränetage bei episodischer Migräne von eingangs 8 Tagen um etwa 1 Tag mehr als Plazebo. Bei chronischer Migräne beträgt die Differenz zum Scheinmedikament 2,5 Tage (bei eingangs 18 Tagen). Eine mindestens 50%ige Reduktion der monatlichen Migränetage wird bei 40% der Anwender beobachtet gegenüber 23% bis 30% unter Plazebo. Der Effekt von Erenumab entspricht im indirekten Vergleich im Wesentlichen dem anderer bei Migräne empfohlener Prophylaktika.

 

Zur Migräneprophylaxe zugelassen und in der Leitlinie empfohlen sind hierzulande die Betablocker Metoprolol (BELOC-ZOK, Generika) und Propranolol (DOCITON, Generika), das Antidepressivum Amitriptylin (SAROTEN, Generika), der Kalziumantagonist Flunarizin (NATIL N, Generika) und das Antiepileptikum Topiramat (TOPAMAX, Generika…). Die Risiken einer langfristigen Blockade von CGRP mit Erenumab – insbesondere hinsichtlich kardiovaskulärer Nebenwirkungen – können zum jetzigen Zeitpunkt nicht abschließend beurteilt werden, da Langzeitdaten zur Anwendung von Erenumab fehlen.

 

Bitte beachten Sie: Erenumab (ATC-Code:N02CX07) fällt als patentgeschütztes Original in die Wirkstoffgruppe 1 (" Analgetika, außer BTM-Rezept pflichtige Opioide") der Hamburger Wirkstoffvereinbarung. 

 

Quellen:

1. „Neue Arzneimittel“ Information der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft   Weblink

2.   a-t 2018; 49: 91-3 

 


05.12.2018

Leitsubstanzquote für TNF-alpha-Blocker

Biosimilars first! Auch Adalimumab-Biosimilars sind mittlerweile verfügbar – und dienen der Zielerreichung. Seit Ende Oktober 2018 sind Adalimumab (Humira®)-Biosimilars in der Apotheke erhältlich. Durch Verordnung dieser Präparate lässt sich die Biosimilarquote im Wirkstoffvereinbarungs-Ziel für TNF-alpha Blocker (Ziel 29) erhöhen. Auf Basis der jetzt bekannten Preise sind deutliche Einsparungen  gegenüber dem Originalpräparat Humira® realisierbar. Denken Sie daran, dass im Ziel 29 die Verordnung von Rabattarzneimitteln nicht der Zielerreichung dient. Da nicht nur Humira®, sondern auch die Biosimilars in Rabattverträgen eingeschlossen sind, bleibt auch das rabattierte Humira® kostenintensiver als die biosimilaren Adalimumab-Präparate und dient nicht der Zielerreichung.

Derzeit in Deutschland zugelassene Adalimumab-Biosimilars

 

Produkt 

Anbieter

 Bruttopreise

Packung mit 2 Stück

Fertigpen/-spritze

 Bruttopreise

Packung mit 6 Stück
Fertigpen/-spritze

Amgevita® 40mg

Amgen

1.172,30€

3.420,27 €

Hulio® 40mg

Mylan

1.144,64€

3.354,43€

Hyrimoz® 40mg

Sandoz/Hexal

1.144,64€

3.354,43€

Imraldi® 40mg

Samsung/Bioepsis/Biogen

1.144,64€

3.354,43€

Humira® *40mg (Original)

Abbvie

1.911,47€

5.324,49€

Lauer-Taxe Stand: 01.12.2018

Die neuen Adalimumab-Biosimilars sind in allen Indikationen des Originalpräparates Humira zugelassen. Dies wären Plaque – Psoriasis, Psoriasis – Arthritis, Rheumatoide Arthritis, Axiale Spondyloarthritis, juvenile ideopathische Polyarthritis, Hidradenitis supporativa* (Acne Inversa), Uveitis bei Erwachsenen, Morbus Crohn und Colitis ulzerosa.

 

*(Amgevita ® nur bei Erwachsenen)

Ausnahme: Zur Behandlung der Uveitis bei Kindern und Jugendlichen sind nur Hulio® 40mg und Hyrimoz® 40mg zugelassen.

Switch-Studien belegen, dass Wirksamkeit, Pharmakokinetik, Sicherheit und Immunogenität der Biosimilars mit den Eigenschaften des Originals vergleichbar sind.

Da es in Apotheken in diesem Bereich keine automatische Substitution vom Original auf das Biosimilar geben darf, müssen Sie das gewünschte Produkt mit dem Handelsnamen auf das Rezept schreiben. Eine reine Wirkstoffverordnung wäre in diesem Fall nicht erlaubt, da es sich um eine unklare Verordnung handeln würde.


 

 

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