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05.09.2011
Will die Politik die ambulante Medizin vernichten? KV Hamburg empört: Diskussion über Wartezeiten geht am eigentlichen Problem vorbei
„Jetzt reichts!“ Mit diesen drastischen
Worten kommentiert Dr.
Michael Späth, Vorsitzender der Vertreterversammlung der
Kassenärztlichen
Vereinigung Hamburg, die bekannt gewordenen Pläne, Ärzte zu bestrafen,
wenn sie
nicht innerhalb bestimmter Fristen Termine vergeben: „Die
niedergelassenen
Ärztinnen und Ärzte reiben sich in ihren Praxen auf, auch wenn sie nur
70
Prozent ihrer Arbeit bezahlt bekommen - und dafür sollen sie jetzt auch
noch
bestraft werden?“, empört sich Späth. „Wenn das kommt, werden die
Wartelisten
erst so richtig lang.“
Späth hält die
Diskussion um Wartezeiten für völlig überzogen: „Im internationalen
Vergleich
belegt Deutschland bei Wartezeiten immer einen vorderen Platz. Das gilt
ganz
besonders für Hamburg.“ In medizinisch wirklich dringenden Fällen gebe
es immer
einen ausreichend kurzfristigen Termin. Anders sei es dagegen bei
aufschiebbaren
Fragestellungen: „Wenn der Arzt nur für 70 Prozent seiner Arbeit bezahlt
wird,
muß er sich seine Arbeitszeit einteilen, damit er wirtschaftlich nicht
ruiniert
wird“, so Späth weiter. „Niemand arbeitet für 100 Prozent, wenn er ein
Drittel
nicht bezahlt bekommt!“
Ganz abgesehen
davon, dass die bekannt gewordenen Pläne rechtssicher gar nicht
umzusetzen
wären, sei die Geisteshaltung, die hinter diesem Vorhaben stünde,
empörend: „Da
wird vom Arzt erwartet, dass er ein Drittel seiner Arbeitszeit umsonst
zur
Verfügung stellt, und wenn er dann Honorar und Arbeit in Einklang
bringt, soll
er hierfür auch noch bezahlen - das ist ein Unding!“ Späth kündigte an,
daß die
Ärztinnen und Ärzte in Hamburg zu massiven Protestmaßnahmen greifen
würden,
sollten die Pläne ernsthaft verfolgt werden: „Wenn die Politik die
ambulante
ärztliche Medizin vernichten will, dann können wir ja mal demonstrieren,
wie
die Versorgung in einem solchen Fall aussehen würde.“