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02.08.2011


Gesundheitsreform benachteiligt Hamburg massiv!

Gleich mehrere Regelungen würden Versorgung in Hamburg bedrohen

„Wir rutschen immer weiter runter“, diese Kritik übt Walter Plassmann, stellvertretender Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg, an den Diskussionen zur Gesundheitsreform in Berlin. Nachgerade systematisch werde die besondere Versorgungssituation der Gesundheitsmetropole Hamburg übergangen – und damit eine unselige Tradition der vergangenen Jahre fortgesetzt. Im einzelnen kritisiert Plassmann folgende Passagen des Kabinettsentwurfs zum „Versorgungsstrukturgesetz“:

  • Die geplante Rückübertragung der Verantwortung für Honorarfragen auf die Region soll wieder gekippt werden. Gerade Hamburg mit seiner spezifischen Versorgungssituation hat in den vergangenen Jahren unter den zentralistischen Vorgaben massiv gelitten. Gemeinsam mit neun weiteren KVen hat die KV Hamburg deshalb gefordert, die Regionalisierung nicht aufzugeben.
  • Die Gesamtvergütung, aus der die Honorare der Ärzte und Psychologen bezahlt wird, soll bezüglich der Versichertenzahlen eingefroren werden. Das würde für Hamburg mit seiner wachsenden Bevölkerung bedeuten, dass eine höhere Zahl von Patienten mit unverändertem Geld behandelt werden müsste – damit würden die Honorare automatisch sinken.

  • Auch für 2012 ist im Gespräch, über eine „asymmetrische Honorarverteilung“ Gelder an bestimmte KVen auszuzahlen. Hamburg würde – wie bereits in diesem Jahr –ausgeschlossen sein.

  • Die Refinanzierung dieser Sonderzahlung würde über Veränderungen der Honorarberechnung organisiert, die Hamburg erneut benachteiligen würden.

  • Für Regionen, die statistisch als „überversorgt“ gelten, soll es Honorarabschläge geben. Würde dies umgesetzt, würden vor allem die Honorare der Internisten, Chirurgen und Psychotherapeuten in Hamburg sinken.

„Es ist für uns nicht akzeptabel, dass auf die Versorgungsnotwendigkeiten von Hamburg keinerlei Rücksicht genommen wird“, äußert Plassmann. Wenn alle Benachteiligungen zusammenkämen, würde dies für Hamburg eine Ausdünnung der Arztpraxen, sinkende Honorare und damit lange Wartezeiten bedeuten (derzeit liegen die Wartezeiten in Hamburger Praxen noch unter dem Bundesdurchschnitt).

„Es ist bestürzend, dass die Honorarabschläge wieder aus der Mottenkiste geholt werden“, kommentiert er die jüngsten Forderungen der CSU, „schon heute kann man als Landarzt in den östlichen Bundesländern deutlich mehr Geld verdienen als in Hamburg.“ Im Bundesvergleich lägen die Honorare der Hamburger Ärzte bereits im unteren Drittel: „Das lässt sich nicht weiter reduzieren.“

Plassmann forderte die Hamburger Politiker auf, sich für die Belange der Hamburger Versicherten einzusetzen. Sie dürfe nicht tatenlos zusehen, wie die Versorgung, die in den vergangenen Jahren mit großem Engagement aufgebaut worden sei, nun Stück für Stück demontiert werde. Zentrale Forderung sei die vollständige Rückübertragung der Honorarverantwortung: „Nur dann sind wir in der Lage, die für Hamburg notwendigen Rahmenbedingungen aufrecht zu erhalten – von Berlin können wir keine Hilfe erwarten.“

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